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Heinrich Schütz

Geistliche Chormusik

Tölzer Knabenchor, Musicalische Compagney, Gerhard Schmidt-Gaden

Capriccio/EMI 10858/59
(105 Min., 9/1998, 10/1998) 2 CDs

Heinrich Schütz' geistliche Chormusik, 1648 erschienen, ist gleichsam eine Mustersammlung von Motetten, teilweise bis ins Jahr 1629 reichend, in denen Schütz seine ganze Satzkunst ausbreitet. Die Ausdruckskraft der harschen Tonartkontraste, die vertrackte Rhythmik – ich ringe gerade selbst in einem Kirchenchor mit der Nr. 21 – lassen uns diese Werke immer noch bestaunen.
Nun fragte ich mich – kann ein Knabenchor, seien es auch die Tölzer Knaben – dem technischen und erst recht geistigen Gehalt dieses Zyklus genügen? Bis auf wenige Ausnahmen kann er. Die Bewältigung durch das Ensemble ist erstaunlich – sehen wir über die ziemlich unsaubere Nr. 10 ("Die mit Tränen säen") als einzigen Ausrutscher hinweg. Klanglich in den Stimmen und auch den Instrumenten völlig überzeugend, gelingt großartiges, gespanntes Musizieren. Zu diskutieren wäre über die instrumentalen Besetzungsvarianten, weitgehend einleuchtend von der Musicalischen Compagney unter Holger Eichhorn geboten. Eichhorn verschweigt leider in seinem philologisch ausgesprochen gründlichen Beihefttext, dass all die angesprochenen Erkenntnisse letztlich auf den Forschungen Wilhelm Ehmanns beruhen. Dessen bahnbrechende Aufnahmen sind teilweise wieder auf CD erhältlich (Cantate).

Matthias Kornemann, 30.03.2000



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