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Esa-Pekka Salonen

LA Variations, Five Images After Sappho, Giro, Mania, Gambit

Dawn Upshaw, Anssi Karttunen, Los Angeles Philharmonic, London Sinfonietta, Esa-Pekka Salonen

Sony 5 099708 915827
(75 Min., 1/2000, 6/2000, 10/2000) 1 CD

Es scheint sich einiges verändert zu haben in Finnland, seit ich dieses Land Anfang der achtziger Jahre besuchte. Damals gab es die unendlichen Wälder und Seen, die man aus Büchern und Erzählungen kennt, die Vegetation war eindeutig nordisch-karg, das Wetter eher unwirtlich. Mittlerweile müssen dort tropische Temperaturen herrschen, üppige Blumen blühen und vielfarbige Schmetterlinge umherfliegen – zumindest befällt einen der Gedanke, wenn man die Musik hört, die in den letzten Jahren von finnischen Komponisten zu hören war: Einige der Werke von Magnus Lindberg und Kaija Saariaho gehören zum Sinnlichsten, was die zeitgenössische Musik zu bieten hat, und auch Esa-Pekka Salonen bedient sich in seinen Kompositionen einer verschwenderischen Farbenpalette.
Oder hat Salonens Wohnsitz in Kalifornien seine Tonsprache geprägt? Die "LA Variations" jedenfalls, eine Huldigung an Los Angeles und sein Orchester, dem Salonen als Chefdirigent verbunden ist, verbreiten virtuose Spielfreude, unbändige Energie und wären in ihrer glänzenden Instrumentation und volltönenden Harmonik wohl geeignet, vorsichtigen Hörern die Scheu vor der Moderne zu nehmen. Obwohl: "Modern" ist diese Musik eigentlich nicht, sondern eindeutig postmodern, auf schönen Klang und unmittelbare Wirkung ausgerichtet, doch ohne jene Beliebigkeit, die stets mit dem Begriff Postmoderne gleichgesetzt wird. Bezüge auf Salonens Landsmann Sibelius sind rein struktureller, nicht klanglicher Natur.
Salonens Handhabung von Harmonik und Klangfarbe ist unverkennbar individuell und findet sich auch in den anderen Werken der CD. Im Vordergrund steht der sich stets erneuernde spielerische Impuls, die Werke sind von einer nie nachlassenden Energie geprägt, wie sie sich im Titel des einsätzigen Cellokonzerts "Mania" widespiegelt, einem der überzeugendsten Stücke dieser Einspielung. Ruhepunkte finden sich wenige, und zum Teil, etwa im Orchesterstück "Gambit", wenn die Betonung auf den Oberflächenreiz überwiegt, kann diese andauernde Kraftentfaltung auch ermüden.
Schönklang prägt die - von Dawn Upshaw überzeugend und lupenrein intonierten - Sappho-Gesänge, und dies auf eine Weise, die gelegentlich auch in bonbonfarbene Süße umschlägt; die Lieder klingen ein wenig, als hätten hier Magnus Lindberg und André Previn zusammengearbeitet.
Insgesamt jedoch bereitet diese Salonen-Werkschau rundum Freude. Hier komponiert einer, der das Orchester aus seiner Dirigententätigkeit von Grund auf kennt, aber auch als Komponist viel zu sehr Profi ist, um Kapellmeistermusik abzuliefern.

Thomas Schulz, 29.11.2001



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