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Giacinto Scelsi

Suiten Nr. 9 und Nr. 10

Markus Hinterhäuser

Col legno/Sony 31889
(60 Min.) 1 CD

Auch der Italiener Giacinto Scelsi kümmerte sich in seinen Kompositionen wenig um westliche Hör- und Denkschemata; er beschäftigte sich intensiv mit asiatischer Spiritualität. Im Gegensatz jedoch zu Takemitsus farbigen Klavierstücken wirken Scelsis Suiten, die er in den fünfziger Jahren komponierte, wahrhaft asketisch. Scelsi maß dem einzelnen Ton bzw. Akkord, dessen Anschlagen und Verklingen grundlegende Bedeutung bei – das obsessive Wiederholen einzelner Töne auf dem Klavier befreite ihn nach eigener Aussage aus einer Schaffenskrise. Die Musik Scelsis fordert vom Hörer ein radikales Umdenken und Sich-Einlassen, bestehen doch die meisten der sechzehn Sätze der Suiten Nr. 9 und 10 tatsächlich in erster Linie aus einzelnen Tönen, Klängen oder Modi, die wohl erkundet und zerlegt werden, sich aber nicht entwickeln. Der Gläubige mag dies erhellend, der Ketzer ermüdend finden – dargebracht wird es von Markus Hinterhäuser jedenfalls äußerst zwingend.

Thomas Schulz, 03.03.1997



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