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Karol Szymanowski, Igor Strawinski

Werke für Streichquartett

Goldner-Quartett

Naxos 8.554315
(54 Min., 12/1997) 1 CD

Szymanowskis Streichquartette – das ist wunderbar freie Musik eines Komponisten, der zu seiner stilistischen Individualität gefunden hat und sie souverän in allen Genres einsetzt. Keine Vorbilder mehr, kein Orientieren am deutschen Konrapunkt, an skrjabinscher Chromatik oder französischer Harmonik. Dass die beiden Werke aus zwei verschiedenen Schaffensperioden stammen – das Erste Quartett entstand 1917, in Nachbarschaft zur Sinfonie Nr. 3, das Zweite 1927 – merkt man kaum. Was zählt, ist die frei schweifende, doch nie ausschweifende Klangfantasie des Komponisten. Freiheit heißt bei Szymanowski nicht Narrenfreiheit: Beide Werke überzeugen auf formaler Ebene, die harmonische Sprache ist konsistent, trotz aller Vielfalt nie ausufernd.
Das Zweite Quartett mit seinen abstrahierten Anklängen an polnische Folklore – völlig anders verarbeitet als die ungarische Volksmusik bei Bartók – ist der Höhepunkt der CD. Vor allem in diesem Werk punktet das australische Goldner-Quartett durch eine fast gnadenlose Unmittelbarkeit des Zugriffs, der musikantisches Temperament und sensibelste Klanglichkeit adäquat miteinander vereint. Strawinskis wenige Werke für Streichquartett – die Drei Stücke, das Concertino und der späte Doppelkanon – bilden einen lakonischen Kommentar zu Szymanowskis ausdrucksgesättigter Musik. Auch hier bietet das Goldner-Quartett technisch und gestalterisch hohes Niveau; allerdings habe ich schon pointiertere Deutungen dieser Stücke gehört.

Thomas Schulz, 05.10.2000



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