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Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini, Jules Massenet

Caruso 2000

Enrico Caruso, ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Gottfried Rabl

RCA/BMG 74321 69766 2
(64 Min., 1906 - 1920, 5/1999) 1 CD

Ariel 2000, Bach 2000, Expo 2000, Christentum 2000 und jetzt also Caruso 2000. Alles wird fit gemacht fürs Jahr 2000, auch der 1920 verstorbene, seit 1902 medial aktive Zeus der Heldentenöre, der erste Pionier der Schallplatte.
Er durfte nicht weiter in seinem zerkratzten Schellack-Sarg ruhen. ORF-Computerspezialisten haben die Leiche gründlich entbeint, bis auf die Stimmbänder sozusagen, über die übliche „Supernoisebitimagereduction“ (oder wie das Ding sonst heißt) hinaus die Uralt-Aufnahmen von Knistern, Gleichlaufschwankungen und von damaliger Klavier- und Orchesterbegleitung befreit und mit neuen Digital-Kleidern des Wiener Radiosinfonieorchesters unter Gottfried Rabl versehen.
Der Produktionsvorgang muss kurios gewesen sein, trugen doch Dirigent und Orchestermusiker bei der Aufnahme Kopfhörer, über die Carusos pseudo-authentisch aufbereitete Stimme eingespielt wurde. Bekanntlich nahm es der bislang seiner Höhengewalten, seiner Portamenti und Legato-Bögen wegen Gefeiertste aller Stimmbandhelden - wie damals üblich - nicht allzu genau mit den Partiturvorgaben und so mussten die heutigen Wiener höllisch aufpassen, um all die kleinen Auslassungen und eigenwilligen Einfügungen zu beachten, damit eine adäquate „Begleitung“ zu Stande kam.
Das Ergebnis erinnert des Öfteren nicht nur an den Hasen und den Igel, der schon da war; herausgekommen ist auch eine seltsam aseptische Stimme, ein Zwitter aus Fonografentrichter und Computer, Vergangenheit und Zukunft. Carusos New-Yorker Bajazzo-Auszug hat man in der Originalversion beigegeben: Alles rauscht, kratzt und eiert und - ist lebendig. Bravissimo, Caruso 1907.

Christoph Braun, 30.06.1999



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