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Michael Daugherty

Philadelphia Stories, UFO

Evelyn Glennie, Colorado Symphony Orchestra, Marin Alsop

Naxos 8.55 9165
(65 Min., 11/2002) 1 CD

Allein die Titel seiner Kompositionen lassen keinen Zweifel, dass Michael Daugherty mitten im Leben steht. "Jackie O.", "Dead Elvis" oder "Spaghetti Western" - der Mann aus Iowa ist Sammler und Jäger von all den Phänomenen, die längst zum festen Kanon der Pop-Kultur gehören. Damit erfüllt Daugherty immerhin die publikumswirksamen Kriterien eines zeitgenössischen Komponisten. Zudem besitzt er durchaus soviel handwerkliches Können, um sämtliche Möglichkeiten eines großes Orchesters so auszuschöpfen und zu inszenieren, dass es zwangsläufig zu Momenten des bislang Ungehörten kommt.
Was aber auch kein Wunder ist, wenn man sich mit den unbekannten Flug- und Geräuscheigenschaften von UFOs auseinandersetzt. Und so kommt es wenigstens einen Satz lang in dem fünfsätzigen Werk "UFO" für Schlagzeug und Orchester zu unwirklichen, gespenstischen Klangverwirbelungen zwischen der erfindungsreichen Artistik der Solistin Evelyn Glennie und einem bärbeißigen Kontrafagott. Ansonsten herrscht trotz der sich ins Pompöse steigernden Virtuosität viel Routine. Gerade in den "Philadelphia Stories", in denen Daugherty sich zum Jünger von Leonard Bernsteins leicht geschlagenen und rhythmusbetonten Theatralik macht. Und dass Daugherty den großen Orchestermagier vom Philadelphia Orchestra und Arrangeur Leopold Stokowski mit Bachs C-Dur-Präludium zu ehren versucht, gerät über Fußnoten nicht hinaus. Eigentlich hat nur noch Elton Johns "Philadelphia Freedom" gefehlt. Immerhin konnte Dirigentin Marin Alsop das Colorado Symphony Orchestra für diese typisch US-amerikanische Klang-Postmoderne glänzend motivieren.

Guido Fischer, 04.12.2004



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