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Frederick Delius, Charles Villiers Stanford, Gerald Finzi, Peter Warlock u.a.

The English Songbook

Ian Bostridge, Julius Drake

EMI 5 56830 2
(69 Min., 2/1999, 3/1999) 1 CD

Zwei Dutzend Lieder aus England, und zwar fast durch die Bank Rares und halb Vergessenes, beschert uns Ian Bostridge auf seiner neuen CD. Die Stücke stammen alle aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts und gemeinsam ist den meisten von ihnen ein nostalgisches Sehnen nach einer „vergangenen ländlichen Unschuld“, wie Bostridge in seinem Einführungstext schreibt. (Der Mann ist als Autor so gut wie als Sänger, an seinem Aufsatz könnte sich manch professioneller Schreiber ein Beispiel nehmen!)
Viele der Lieder sind wahre Entdeckungen, die meisten Komponisten hier zu Lande auch - oder kennt jemand William Denis Browne, Thomas Dunhill und Edward German? Den durchweg lyrisch-elegischen Ton der Lieder, der nur selten kräftigeren Tönen Platz macht, etwa in Peter Warlocks „Jilian Of Berry“, mag man als typisch englisch ansehen, jedenfalls bietet es sich nicht an, Lieder deutscher Komponisten zum Vergleich heranzuziehen. Wer beim Hören ständig denkt: „Ja, aber Schubert! Aber Brahms!“, wird dem introvertierten Scharm dieser Kompositionen nicht gerecht. Der gleichförmige Tonfall der Stücke birgt allerdings die Gefahr, dass offenkundige Qualitätsunterschiede unter den Tisch fallen. Ein Liedchen wie Arthur Somervells „To Lucasta“, so liebenswert es auch ist, gehört einfach nicht in die gleiche Kategorie wie Warlocks „Cradle Song“ oder „Twilight Fancies“ von Frederic Delius.
Ian Bostridges gleichermaßen schlanke wie warm timbrierte Stimme verhilft diesem „englischen Liederbuch“ zu durchweg erstklassigen Interpretationen. Seine feinsinnigen, völlig unmanierierten und dennoch einfühlsamen und ernsthaften Interpretationen ist in jedem Takt anzumerken, dass dieses Repertoire ihm Herzensangelegenheit ist; dem Pianisten Julius Drake übrigens ebenso.

Thomas Schulz, 30.06.1999



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