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Pascal Dusapin

Klavierkonzert "À Quia", 7 Etüden

Ian Pace, Orchester von Paris, Christoph Eschenbach

Naïve/harmonia mundi AV 782164
(83 Min., 1/2003, 9/2003) 2 DVDs, 2 CDs, 1 DVD

Der Mann, der dem schwitzenden Pianisten die Seiten umblättert, schaut kritisch, und die Kamera verharrt mehr auf seinem Gesicht als auf dem des Ausführenden. Ach ja, es ist der Komponist, Pascal Dusapin. Die DVD (französisch und englisch), auf der dies zu sehen ist, ist keine billige Dreingabe zu den zwei Audio-CDs, sondern enthält zwei Dokumentationen, einmal über eine Orchesterprobe für Dusapins Klavierkonzert "À Quia". Auch hier steht Dusapin kritisch im Hintergrund, schaut Christoph Eschenbach und dem Solisten Ian Pace über die Schulter und gibt zwischendurch dem Zuschauer Auskunft über sein musikalisch-philosophisches Weltbild. Die andere Dokumentation zeigt Dusapin und Ian Pace beim Einstudieren zweier Klavieretüden.
Hört man zunächst nur in Dusapins Etüden hinein, wirkt die Musik des 1955 in Nancy geborenen Komponisten schnell etwas eintönig. Immer wieder werden dieselben Akkorde oder besser Zusammenklänge durch das rhythmisch stark variierte Anschlagen einzelner Töne gefüllt. Die Musik hat deswegen etwas in sich Kreisendes, manchmal Auswegloses und Verzweifeltes. Dusapins Ausführungen zu seiner Musik eröffnen jedoch mehr Zugang, und vieles wird verständlicher. Von der Unmöglichkeit der Kommunikation ist in seinen Erläuterungen zum Klavierkonzert die Rede, Mensch (Klavier) und Gesellschaft (Orchester) bilden keine Einheit sondern reden im Grunde aneinander vorbei.
Das Orchestre de Paris unter Christoph Eschenbach und Ian Pace am Klavier brachten das Werk 2002 in Bonn zur Uraufführung, und die Live-Aufnahme dieses Ereignisses ist ein beeindruckendes Dokument über die enge Zusammenarbeit von Komponist und Interpreten. Vielleicht ist an den komplexen Rhythmen nicht immer alles perfekt, aber darauf wird es hier nicht ankommen, denn es eröffnet sich vor dem Zuhörer ein dunkles teatrum mundi, in dem es zwar wenig Heiterkeit, sicher aber so manche Wahrheit zu entdecken gibt.
Von "Etudes de tristesse" ist denn auch bezüglich der Klavieretüden die Rede, und selten bekommt bei Dusapin schnelle Bewegung etwas beschwingtes, eher insistieren rasche Akkorde auf einem allgegenwärtigen Schmerz. Ian Pace, der sich mit Neuer Musik auch als Lehrer und Schriftsteller beschäftigt, gelingt hier eine ebenso ausgefeilte wie eindringliche Schilderung von Dusapins Werk.

Matthias Reisner, 12.06.2004



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