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Henri Dutilleux

Tout un monde lointain, Trois strophes sur le nom Sacher, L'arbre des songes

Truls Mørk (Cello), Renaud Capuçon (Geige), Orchester Radio France, Myung-Whun Chung

Virgin/EMI 5 45502 2
(60 Min., 2/2001, 7/2001, 2/2002) 1 CD

Die beiden Solokonzerte des französischen Klangmagiers Henri Dutilleux sind typisch für seine Tonsprache und Ausdruckswelt; beide erkunden die Sphäre des Nächtlichen, die Welt zwischen Realität und Traum, die Farbschattierungen zwischen dem dunklen Blau des Abendhimmels und dem Silber des Mondes.
Obschon die Werke mit herkömmlichen Virtuosenkonzerten herzlich wenig gemein haben, ist es gelungen, bedeutende Solisten für sich zu gewinnen, und es herrscht kein Mangel an CD-Einspielungen. Dass es eigentlich keine missratenen Aufnahmen von ihnen gibt, zeigt, wie offen Dutilleux' changierende Musik für verschiedene Interpretationsansätze ist.
Das Cellokonzert "Tout un monde lointain" wurde von Baudelaires "Blumen des Bösen" inspiriert und zeichnet, dem Titel entsprechend, "eine ganz entfernte Welt". Truls Mørk legt den Solopart recht extrovertiert, geradezu dramatisch an - anders als etwa Boris Pergamenschikow (Chandos), in dessen nuancenreicherem und filigranerem Spiel das von Baudelaire und Dutilleux geschaffene Zwielicht vielleicht etwas überzeugender Gestalt gewinnt. Dennoch vermag Mørks Emphase besonders in den bewegteren Teilen für sich einzunehmen, ebenso wie in den "Drei Strophen über den Namen Sacher" für Solo-Cello.
Von Renaud Capuçon, der unlängst eine phänomenale Aufnahme einiger Kammermusik-Werke von Ravel vorgelegt hat (siehe Rezension), hatte ich eine Referenzaufnahme des Violinkonzerts "L'arbre des songes" erwartet. Capuçons Realisation des Werks hat auch durchaus ihre Meriten - federleicht, tänzerisch, dynamisch aufs Feinste ausgehorcht -, doch seine durchweg etwas eiligen Tempi streben gelegentlich der Grundaussage des Werks entgegen - als habe der Solist zu wenig Geduld, die einzelnen Verästelungen von Dutilleux' "Baum der Träume" von Grund auf zu erkunden. Hinzu kommt, dass die mannigfachen Farben der äußerst feinsinnigen Instrumentation nicht immer ausreichend präsent sind; der Orchesterklang wirkt insgesamt etwas pauschal.
Die heikle Balance zwischen Geige und Orchester ist in den Aufnahmen mit Olivier Charlier (Chandos) und Isabelle van Keulen (Koch-Schwann) wesentlich besser realisiert, und über allem thront immer noch die Einspielung mit dem Widmungsträger des Werks, Isaac Stern (Sony).

Thomas Schulz, 25.07.2002



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