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Bruno Maderna

Grande Aulodia, Widmung, Violinkonzert

Claudio Santambrogio, Omar Zoboli, Nyriam Dal Don, Sinfonieorchester Giuseppe Verdi Mailand, Sandro Gorli

Stradivarius/Helikon STR 33546
(62 Min., 12/1998) 1 CD

Bruno Maderna war der große Melodiker unter den Avantgardisten der Nachkriegsgeneration. Für ihn war die Melodie zentrales Element seiner Kompositionen und bestimmte die übrigen Parameter. Das stellt ihn in die Tradition großer italienischer Komponisten von Monteverdi bis Puccini und lässt seine Musik viel unmittelbarer zugänglich erscheinen als die seines Landsmanns Nono, ganz zu schweigen von seinen übrigen Kollegen der Darmstadt-Generation.
Maderna liebte die Holzblasinstrumente, vor allem die Oboe, für die er drei Konzerte komponierte. Seine "Grande Aulodia" von 1970 ist ein Doppelkonzert für Flöte und Oboe. Der Aufbau dieses Werks und des Violinkonzerts ähneln sich – nach dem Muster: Exposition, Konflikt, Lösung. Nach Madernas Worten Komponisten spielt das Soloinstument in seinen Konzerten meist die Rolle des Individualisten, der sich gegen eine feindliche Umwelt behaupten muss.
Damit ist auch das einzige Problem dieser an und für sich sehr charaktervollen Werke umrissen. Nicht, dass an der musikalischen Darstellung von Konflikten etwas auszusetzen wäre - im Gegenteil, gerade bei konzertanten Werken bedeutet ein ordentlicher (Wett-)Streit das Salz in der Suppe --, es ist nur so, dass Maderna, der die Solopartien mit so viel melodischem Adel und mediterraner Klangschönheit ausstattet, das Orchester in aggressiven Passagen sehr schematisch behandelt. Er greift dann zu jenem halb improvisierten Getöse, das damals in Mode war und so entsetzlich austauschbar klingt. Vielleicht hätte Maderna seine Orchestersprache noch wesentlich verfeinert, wäre er nicht 1973 viel zu früh verstorben.
Die letzten zehn Minuten der "Grande Aulodia" gehören jedoch zum Schönsten, was zu dieser an kompositorischen Höhepunkten nicht eben überreichen Zeit geschrieben wurde – ein traumverlorenes, melancholisches Gespräch zwischen Oboe und Flöte, unterlegt von einem hypnotischen, in dunklen Farben irisierenden Streicherteppich, bis auch dieser erlischt und die beiden Soloinstrumente ganz alleine sind.
Omar Zoboli und der Flötist Claudio Santambrogio scheinen diese Musik mit der Muttermilch aufgesogen zu haben; technisch tadellos, seelenvoll und bestens aufeinander abgestimmt meistern sie das gewiss nicht einfach zu spielende Werk. Auch Myriam Dal Don zeigt sich den Klippen des hochvirtuosen Violinkonzerts sowie des Solostücks "Widmung" mehr als gewachsen.

Thomas Schulz, 19.10.2000



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