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Marin Marais

Pièces à trois Violes

Les Voix humaines, Wieland Kuijken

Atma/Musikwelt ACD2 2374
(61 Min.) 1 CD

Man gewöhnt sich an alles, und lange schon ist auch die historisierende Aufführungspraxis nichts neues mehr, ganz im Gegenteil: Häufig gerät sie mit ihrem Anspruch einer möglichst fundierten Annäherung an originale Musizierpraktiken der Vergangenheit heute bereits wieder massiv in die Kritik – können wir doch viele Parameter über die große zeitliche Distanz hinweg nicht einmal mit annähernder Gewissheit klären. Man vergisst dabei allerdings, welche Mengen von Musik in Zeiten vor der historischen Aufführungspraxis schlichtweg nicht spielbar waren. Das Repertoire dieser CD gehört auch dazu: Schon die Viola da gamba als solche wurde früher meistens durch moderne Streichinstrumente ersetzt; hinzu kommt, dass das interpretatorische Endergebnis maßgeblich durch differenzierte historische Bogentechnik und durch das kompetente Anbringen von Verzierungen geprägt ist. Genießen wir also, was Wieland Kuijken, Susie Napper und Margaret Little hier auf drei Violen präsentieren: Sie haben sich ohne Zweifel fundiert mit ihrem Instrument und seiner Spieltechnik, darüber hinaus auch mit den Besonderheiten der französischen Barockmusik auseinandergesetzt. Höchst spannungsgeladen kommen die einzelnen Tanzsätze der beiden Suiten daher, der Hörer wird in die weichen, warmen Klangwogen geradezu eingehüllt. Sehr organisch agieren die Interpreten auf dynamischer Ebene, auch dies in unmittelbarer Verbindung mit der erwähnten Bogentechnik. Nicht weniger differenziert als das Oberstimmengeflecht fällt übrigens die Continuobegleitung aus, gespielt von einer Theorbe und einem Cembalo. Erinnerungen an den Film "Die siebente Saite" werden wach, denn exakt um diese Musik ging es seinerzeit in dem sehr atmosphärischen Streifen, der sicher eine Vielzahl von Kinogängern zu Gambenfans werden ließ – mit dieser CD kann man an die mittlerweile vielleicht etwas verblasste Erlebniswelt anknüpfen.

Michael Wersin, 31.03.2007



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