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Heiner Goebbels

Eislermaterial

Ensemble Modern, Josef Bierbichler

ECM/Universal 461 648-2
(63 Min., 10/1998) 1 CD

Zwar trägt in Berlin noch die Musikhochschule im Ostteil der Stadt seinen Namen, aus dem Konzertleben aber ist der Komponist der DDR-Nationalhymne, Hanns Eisler, beinahe ganz verschwunden. Umso bemerkenswerter, dass sich nicht nur der österreichische Komponist H. K. Gruber ("Roaring Eisler", ebenfalls mit dem Ensemble Modern, siehe Rezension), sondern auch der Theaterkomponist Heiner Goebbels ohne Umschweife zu Eisler bekennen.
Für sein Bühnenprogramm "Eislermaterial" formte Goebbels aus Liedern, Kammermusikwerken und Solostücken, aber auch aus Interviews mit Eisler eine ganz persönliche Hommage an den Künstler. Herausgekommen ist eine fern von aller Ostalgie bewegende Collage, deren elegischer Ton eigentümlich berührt. Aus der historischen Distanz heraus ironisiert Goebbels seine Vorlagen und distanziert sich damit von ihnen, gleichzeitig aber nimmt er sie in jedem Moment vollkommen ernst.
Dieser Spagat ist das Erstaunliche an dieser Aufführung. Auf die musikalische Qualität seiner Vorlagen, das ist unüberhörbar, kann er sich ohnehin verlassen. Für die CD wählte man einen Mitschnitt aus dem Berliner Hebbel-Theater, der klanglich einer Studioproduktion gleichkommt und dazu noch die Lebendigkeit der zum Teil improvisierten Passagen des exzellenten Ensemble Modern optimal einfängt.
Die Krönung ist der Gesangsvortrag des Schauspielers Josef Bierbichler, den man in Analogie zu Ella Fitzgeralds Wort über Hildegard Knef, den "besten Sänger ohne Stimme" nennen möchte.

Markus Kettner, 12.01.2003



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