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Jerry Goldsmith

Christus Apollo, Musik für Orchester, Feuerwerk

Eirian James, Anthony Hopkins, London Voices, London Symphony Orchestra, Jerry Goldsmith

Telarc/In-Akustik 80560
(51 Min., 9/2000, 10/2000) 1 CD

Jerry Goldsmith ist der beste lebende Filmkomponist. Und Filmkomponisten, wie wir wissen, wollen sich alle auch im Konzertsaal legitimieren - mit der möglichen Ausnahme von Max Steiner -, wollen zeigen, dass sie nicht nur "Gebrauchsmusik" können. Das aber klappte nur bei Korngold (der vom Konzertsaal kam) und bei Waxman, der seine Konzertmusik nicht mit mehr Ambition befrachtete als seine Filmmusik (oder umgekehrt: der fürs Kino mit derselben Sorgfalt schrieb).
Jerry Goldsmiths "großes Oratorium" auf einen reichlich prätentiösen Text von Ray Bradbury, der Christus und die erste Mondlandung auf raunende Art zusammenspannt, ist leider ziemlich unerträglich. Die Zwölftontechnik, die Goldsmith im ersten "Planet der Affen" so intelligent nutzte, wird in "Christus Apollo" zum Zwangskorsett, das den Komponisten in eine Reihe mit Schönberg und Strawinsky zugleich stellen soll, heraus kommt aber lediglich ein Zwölfton-Akademiker wie Igor Markewitsch.
Es gibt bereits eine lächerliche Aufnahme mit irgendeiner kalifornischen Feuerwehrkapelle, aus den frühen siebziger Jahren, also der Entstehungszeit des Werks; offenbar die Uraufführung, offenbar von einem Schüler auf dem (damals noch nicht erfundenen) Walkman mitgeschnitten. Jetzt ist alles vom Feinsten und somit Teuersten: Goldsmith dirigiert das LSO und die London Voices, der große Schauspieler Anthony Hopkins raunt als Erzähler den Text neo-shakespearisch, der Mezzo Eirian James bringt dramatisierten Wohllaut ins Spiel, und eine der besten Klangtechniken der Welt, die von Telarc, bildet alles getreulich bis zum letzten Komma, zum letzten Seufzer ab. Aber es wird nicht besser, weil das Stück nicht gut ist, sorry.
Auch nicht die "Music for Orchestra", ebenfalls zwölftönig, nicht einmal die "traditionell" konzipierte Orchester-Rakete mit dem programmatischen Titel "Fireworks" - da klingt's wieder ganz nach Filmmusik, aber nicht halb so pfiffig wie etwa "Der erste große Eisenbahnraub", nicht halb so ahnungsvoll wie "Das Omen", so pointiert wie "Wild Rovers". Nie wirklich schlecht, das kann Goldsmith gar nicht - lediglich schwach. Kann es sein, dass der Komponist die bewegten Bilder braucht, um seiner Fantasie Flügel zu verleihen?

Thomas Rübenacker, 09.05.2002



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