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Alban Berg

Konzert für Violine und Orchester, Passacaglia, Lulu-Suite

Vladimir Spivakov, Natalie Karl, Ute Döring, Gürzenich-Orchester Köln, James Conlon

Capriccio/Delta Music 67061
(56 Min., 6/2001, 7/2001, 1/2002) 1 CD

Die Musik der Jahrzehnte vor dem Zweiten Weltkrieg ist eines der Steckenpferde von James Conlon, Dirigent des Gürzenich-Orchesters, und unter diesem Gesichtspunkt setzt er seine Reihe “Violinkonzerte des 20. Jahrhunderts” mit Vladimir Spivakov fort: Die Interpretation von Alban Bergs Violinkonzert, die die beiden Künstler auf dieser CD vorlegen, kann gut bestehen zwischen Itzhak Perlmans klanglich betörender und Henryk Szeryngs überraschend nüchterner Interpretation dieses Werks (beide DG); sie wird jenem Spannungsfeld zwischen Resten tonaler Bindung und Befreiung von traditionellen Konventionen gerecht, in dem diese Musik ihre Wirkung entfaltet. Dem "Andenken eines Engels" hatte Berg sein 1935 kurz vor seinem Tod entstandenes Konzert gewidmet, und er bezog sich damit auf die 18-jährig verstorbene Manon Gropius. Allerdings steckt noch weit mehr Außermusikalisches in der Partitur: Eine zahlensymbolische Vernetzung vor biografischem Hintergrund ist wahrscheinlich, das Bach-Choral-Zitat "Es ist genug" lässt zudem auf das Vorausahnen des baldigen Ablebens schließen. Die äußerst geschickte Anlage der zu Grunde liegenden Zwölfton-Reihe, die aus vier Dreiklängen und eben jenem melodischen Beginn des Bach-Chorals besteht, erlaubt Berg die angedeutete stilistische Spannweite, die sogar Ländler-Zitate beinhaltet.
Hörenswert ist diese CD außerdem und im besonderen auch wegen Bergs "Passacaglia" von 1913, die, vom Komponisten selbst unvollendet, erst vor wenigen Jahren von Christian von Borries ergänzt wurde. Die Wahl der Passacaglia-Form - man denke dabei auch an Weberns gleichnamiges Op. 1 - belegt einmal mehr die tiefe Verehrung, die die Komponisten der Zweiten Wiener Schule Johann Sebastian Bach entgegen brachten. Sie zeugt aber auch von ihrem Mut, alte Schläuche mit neuem Wein zu füllen: Auf der Basis eines Themas in g-Moll, das alle zwölf Töne der chromatischen Skala enthält, entfaltet Berg in elf Variationen eindrucksvolle Klangwelten, die den Geist des Aufbruchs zu neuen musikalischen Ausdrucksformen atmen. Eine höchst inspirierte Live-Aufnahme der “Lulu-Suite” ergänzt das anspruchsvolle Programm dieser CD auf gelungene Weise.

31.01.2004



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