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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Michael Haydn

Requiem, Sinfonien P 9 u. P 16

Johannette Zomer, Helena Rasker, Markus Schäfer, Klaus Mertens, Schweizer Kammerchor, Kammerorchester Lausanne, Christian Zacharias

MDG/Codaex 340 1245-2
(62 Min., 10/2003) 1 CD

Michael Haydn (1737-1806) erfuhr post mortem nicht annähernd dieselbe Aufmerksamkeit wie sein älterer Bruder Joseph. Gleichwohl war er zu Lebzeiten nicht minder geschätzt und geachtet als Letzterer; allerdings trug er selbst wenig zur Festigung dauerhafter Popularität bei: Seine 1763 begonnene Beschäftigung am fürsterzbischöflichen Hof zu Salzburg mochte er trotz diverser reizvoller Angebote nie mehr aufgeben, und auch dem mehrfach an ihn herangetragenen Wunsch nach Einrichtung seiner Werke für den Druck kam er nur äußerst zögerlich nach. Erst in jüngerer Zeit wurden die meisten seiner zahlreichen kirchenmusikalischen Werke peu à peu wieder entdeckt - ihre hohe Qualität, hinsichtlich derer sie entsprechenden Werken der großen Klassiker in nichts nachstehen, fasziniert immer wieder aufs Neue.
Mit dem Requiem in c-Moll MH 154 konnte Haydn anlässlich des Todes seines Dienstherren Erzbischof Sigismund Graf Schrattenbach im Jahre 1771 in Salzburg seinen Ruhm als Kirchenmusik-Komponist auf brillante Art und Weise begründen. Inwieweit diesem Werk die oft beschworene Vorbildstellung für Mozarts Requiem tatsächlich zukommt, sei dahingestellt; festzuhalten ist, dass Haydn zwar im Introitus wie später Mozart synkopische Streicherfiguren verwendet und auch wie dieser für den Introitus-Vers einen (anderen) gregorianischen Psalmton verwendet, andererseits hinsichtlich der formalen Anlage aber zu ganz anderen Lösungen kommt als Mozart: Durch kreatives Wiederaufgreifen von musikalischem Material erhalten z. B. der Introitus/Kyrie-Eingangssatz und die übrigens in einem Stück durchkomponierte Sequenz eher eine symmetrische oder zumindest eine geschlossene Form, wo Mozart dann eine offen gereihte Anlage bevorzugte. Man genieße und beurteile also diese edle, höchst niveauvolle Totenmesse ganz unabhängig von bekannteren Nachbar-Kompositionen.
Ebendies ermöglicht hervorragend die sehr ansprechende, dezente, ja in positivem Sinne unaufdringliche Neuaufnahme unter Leitung des Pianisten Christian Zacharias, die mehr als eine Alternative zu der sehr verdienten, derzeit einzigen anderen Einspielung bei Hungaroton darstellt. Zacharias konnte dem wohlklingenden, differenziert agierenden Choeur de Chambre Suisse ein niveauvolles bis brillantes Solistenquartett hinzufügen, dessen Spitzenkräfte die Altistin Helena Rasker und der Bassist Klaus Mertens sind. Gemeinsam mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne entstand auf der Basis eines weichen, geschmeidigen und flexiblen Klangs eine ebenso verhalten-pietätvolle wie angemessen jugendlich-frische Aufnahme, die durch zwei Sinfonien Michael Haydns im Sinne einer breiteren Repräsentation dessen Könnens gewinnbringend ergänzt wird.

Michael Wersin, 26.06.2004



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