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Arthur Honegger, Bohuslav Martinů, Igor Strawinski

Sinfonie Nr. 4, Toccata e due canzoni, Konzert in D (Klassizistische Moderne Vol. 1)

Kammerorchester Basel, Christopher Hogwood

Arte Nova/BMG 7 43218 62362 2
(65 Min., 3/2001) 1 CD

Paul Sacher war ohne Zweifel der größte Musikmäzen der jüngeren Vergangenheit; unzählige Werke entstanden auf seine Veranlassung, darunter auch einige Meisterwerke. So eine Person wie ihn wird es wohl nie wieder geben; umso bedauerlicher, dass es nur ziemlich wenige Tondokumente mit ihm gibt – früher wurde eben noch nicht jedes Konzert mitgeschnitten.
Genau an diesem Punkt setzt eine neue Serie von Arte Nova an, deren erste Folge nun vorliegt: Mit dem Kammerorchester Basel – einem Ensemble, das sich ausdrücklich auf die Tradition der von Sacher geleiteten Klangkörper wie dem Basler Kammerorchester (der Namen klingt fast identisch, es ist aber ein anderes Ensemble!) und dem Collegium Musicum Zürich beruft – und dem Dirigenten Christopher Hogwood wird typisches "Sacher-Repertoire" eingespielt. Fragt sich, warum man das Projekt unbedingt "Klassizistische Moderne" nennen musste, das klingt erstens wenig attraktiv und zweitens hat Sacher durchaus nicht nur Neoklassisches in Auftrag gegeben und dirigiert.
Ansonsten aber lässt sich nur sagen: Hut ab! Allein das Programm ist sozusagen historisch: Alle drei Werke wurden in einem Konzert zur Uraufführung gebracht – dem Abend des 21. Januar 1947, zur Feier des zwanzigjährigen Bestehens des Basler Kammerorchesters, in der selben Reihenfolge wie auf der CD. Das ungewöhnlich liebevoll zusammengestellte Beiheft präsentiert den Programmzettel, die originalen Einführungstexte der Komponisten (soweit vorhanden) und einiges mehr.
Und nicht zuletzt überzeugt das Spiel des Orchesters voll und ganz – in dem heute nur noch selten aufgeführten euphorischen, melodienseligen Martinu-Stück, einer lohnenswerten Wiederentdeckung, vor allem aber in den "Basler Freuden", der Vierten Sinfonie Arthur Honeggers, einer musikalischen Skizze der Stadt Basel, ihrer Klänge, ihrer Atmosphäre und nicht zuletzt der innigen Gefühle, die der Komponist mit ihr verband.
In dieses Werk stecken Orchester und Dirigent all ihre Musikalität und verhelfen ihm damit zur überzeugendsten Einspielung der letzten Jahre. Abgesehen vom ungemein präsenten und transparenten Klangbild: Selten wurde die zwischen Freude und Müdigkeit, zwischen Aufbruch und Resignation schwankende Stimmung (die Sinfonie entstand kurz nach dem Zweiten Weltkrieg) überzeugender, mit mehr Sinn für klangliche Differenzierung realisiert als von den Musikern des Kammerorchesters Basel.
Dass die Aufnahme von Strawinskis Konzert in D für Streicher nicht ganz so überzeugend geraten ist wie der Rest – insgesamt wirkt sie ein klein wenig steifleinen, verglichen etwa mit der des Orpheus-Kammerorchesters (DG) –, vermag den positiven Gesamteindruck nicht zu trüben. Wenn die weiteren Folgen das Niveau halten, wird man von einem Prestigeobjekt der Firma Arte Nova sprechen können.

Thomas Schulz, 11.10.2001



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