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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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Johann Melchior Molter

Concerti und Concertini

Simone Eckert, Mitglieder der Hannoverschen Hofkapelle, Hamburger Ratsmusik

New Classical Adventure/Naxos NCA 60141-215
(59 Min., 9/2003) 1 CD

Johann Melchior Molter (1696 - 1765) gehört zu jenen unglücklichen Gestalten der Musikgeschichte, die sich bei der Nachwelt vor allem mit Trompetenkonzerten Gehör verschaffen konnten: Mangel an originalem barockem Repertoire für Solotrompete und der Bedarf an "festlichen Trompetenklängen zur Weihnachtszeit" verhalfen den Stücken bei nicht immer stilgerechter Interpretation zu einer Verbreitung, die mehr durch die Wahl des Instruments und etwas Handwerkerschweiß verdient scheint als durch höhere Eingebung. Als Visitenkarte taugen sie trotzdem: Denn für Molter, der auch früh mit Klarinette experimentierte, gehörte die ungewöhnliche Klangfarbe zur musikalischen Substanz. Dank der Alte-Musik-Spezialistin Simone Eckert und der Hamburger Ratsmusik kann man nun den Mann hinter der Trompete mit einem weiteren seiner vielen Gesichter kennen lernen: der Musik für Diskant-Viola da Gamba. Gefällige Concerti wechseln sich mit Concertini genannten Sonaten ab, in denen das Instrument mit Traversflöte oder Violine konzertiert und apart kontrasiert. Reizvoll für den Gambenkenner ist auch der Gegensatz zwischen Molters seinerzeit modernem galantem Plauderton und dem retrospektiven Sound des Soloinstruments, das nämlich um die Mitte des 18. Jahrhunderts in Deutschland rasch außer Mode kam. Die Ausführung der Stücke, die übrigens in Molters Taufkirche in Tiefenort aufgenommen wurden, ist überaus akkurat; selbst beim differenzierten Gestalten der leider recht zahlreichen Allerweltsmotive hört man den Musikern ihre Sympathie zu dem späteren Karlsruher Hofkapellmeister an. Über die Länge von guten 10 Minuten hinaus (so lange dauern die Concerti und Concertini in der Regel) trägt die Spannung allerdings nicht: Für künftige, in einem Zug durchhörbare Molter-CDs wäre daher der Griff zu noch mehr Soloinstrumenten aus der großen Klangfarbenkiste des Komponisten zu empfehlen. Es muss ja nicht gleich die Trompete sein.

Carsten Niemann, 30.10.2004



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