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Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 4

Royal Scottish National Orchestra, Georg Tintner

Naxos 8.554128 
(73 Min., 10/1996) 1 CD

Die englische RONDO-Schwester “Gramophone” ernannte den Österreicher Georg Tintner, einen Generationsgenossen von Günter Wand, zu “Naxos’s Mr. Bruckner”, und dagegen war bislang nicht viel einzuwenden, denn tatsächlich soll er für Naxos sämtliche Bruckner-Sinfonien aufnehmen (wenn ich nicht irre, sind’s bislang vier). Dennoch überzeugt er mich als Brucknerianer erst jetzt, mit der Vierten - und das, obwohl er an Langsamkeit fast alle Kollegen/Konkurrenten übertrifft: Das Werk dauert unter seiner Stabführung gut zehn Minuten länger als etwa die Version von Nikolaus Harnoncourt (RONDO 1/99), der sich nun wirklich nicht beeilt.
Aber seltsam: Auch wenn Tintner schon die ersten Takte des Kopfsatzes bis zum Zerreißen dehnt - O Solohornist! Welch’ langen Atem besitzest du! - und dann den ganzen Satz mehr oder weniger dabei bleibt, ist das doch spannender, “brucknerischer” als Harnoncourts bröckelndes Getüftel. Bei Tintner trägt die Langsamkeit die zart-massive Architektur - und die Architektur trägt die Langsamkeit. Denn er weiß Bögen weit zu schlagen, Kulminationspunkte vorzubereiten, Pausen mit Leben zu erfüllen; und die Orchester-Schotten halten mit, wirklich nicht schlecht, manchmal sogar ausgesprochen tiefsinnig und sogar “innig”.
Ich will nicht sagen, das sei die spannendste Art, diese Sinfonie zu spielen (in der Haas-Edition von 1878/80), aber sie offenbart eine in sich äußerst konsistente, also glaubwürdige, nie langweilende und spätestens mit den Energieschüben des Finalsatzes auch beeindruckende Bruckner-Sicht.

Thomas Rübenacker, 28.02.1999



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