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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



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Douglas Lilburn

Sinfonien Nr. 1 bis 3

New Zealand Symphony Orchestra, James Judd

Naxos 8.555862
(77 Min., 5/2001) 1 CD

Die ersten beiden Sinfonien des neuseeländischen Komponisten Douglas Lilburn sind typische Beispiele der so genannten Landschaftssinfonik. Und wer, wie ich, noch nie in Neuseeland war und sich die Werke anhört, bekommt eine Vorstellung, wie es dort aussehen könnte: englische Wiesen, finnische Wälder und dänische Strände in amerikanischer Weite.
Recht deutlich zeigt sich nämlich, von welchen Meistern sich Lilburn in seiner frühen Schaffensphase inspirieren ließ: in erster Linie, vor allem in der Melodik, von Sibelius, und in der Zweiten Sinfonie auch vom kantigen Idiom Carl Nielsens. Hinzu kommt eine deutliche Affinität zur britischen Sinfonik, insbesondere zu Lilburns Lehrer Vaughan Williams, aber auch zur Klangsprache des frühen Tippett. Und schließlich ist auch eine Seelenverwandtschaft zu amerikanischen Komponisten der tonalen Schule spürbar, etwa zu Walter Piston und Aaron Copland, dessen glasklare Diatonik in Lilburns Musik unübersehbar ihre Spuren hinterlassen hat.
Vielleicht jedoch handelt es sich hier gar nicht um konkrete Einflüsse, sondern um Formulierungen, zu der beinahe automatisch jene Komponisten griffen, denen die Natur ihrer Heimatländer Stimulans zur schöpferischen Tätigkeit war. Bei allen scheinbaren Ähnlichkeiten ist Lilburns Musik doch durch eine starke Persönlichkeit gekennzeichnet - eine Persönlichkeit, die sich durch Moden und Trends nicht beeinflussen ließ und in einem, oberflächlich betrachtet, konventionellen Rahmen zu individuellen Lösungen fand. In seiner Musik beeindruckt eine selbstbewusste Stärke, die zielsicher ihren Weg findet, ohne unbedingt unerforschte Gefilde aufsuchen zu müssen.
Lilburns Dritte Sinfonie aus dem Jahre 1961 markiert seinen Abschied von der Orchestermusik; sie ist härter, konfliktreicher, dissonanter. In einem Satz von vierzehn Minuten Dauer ist alles gesagt - lakonisch, schroff, ohne eine Note zu viel. Anschließend wandte sich der Komponist erstaunlicherweise der elektronischen Musik zu. Das neuseeländische Sinfonieorchester bestreitet in dieser Musik ein Heimspiel. Niemand, der sich für Sinfonik abseits der ausgetretenen Pfade interessiert, sollte an dieser Einspielung vorbeigehen.

Thomas Schulz, 11.07.2002



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