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Wolfgang Amadeus Mozart

Sinfonien, Konzerte, Serenaden, Kammermusik u.a.

Leon Fleisher u.a., Cleveland Orchestra, George Szell

Sony/BMG 82876867932
(558 Min., 8/1946 - 1/1969) 10 CDs

Schallplatten in ihrer aufnahmetechnischen Fixierung sind ein für alle Mal mit sich selbst identisch. Oder es scheint so. Sie führen wohl doch ihr Eigenleben. Sie ändern sich, weil ihr Zuhörer sich in seiner Haltung ändert. Die Mozartaufnahmen, die George Szell einst dirigierte, klingen – und das nicht allein wegen des optimierenden Transfers – zu Beginn des 21. Jahrhunderts etwas anders als vor drei bis fünf Jahrzehnten, als sie aufgezeichnet wurden.
Szell hat das Cleveland Orchestra zu einem der amerikanischen Big Five sublimiert, Szell und Cleveland waren so etwa wie ein Synonym und sind es, obwohl die Chefs inzwischen gewechselt haben, heute noch. Jedes der ganz großen Fünf unter den amerikanischen Orchestern hatte seine geliebten Charaktereigenschaften. Das Cleveland unter Szell war der Superlativ lupenreiner Intonationsgenauigkeit, Tempostabilität und rhythmischer Energie. Cleveland förderte einen Mozart in der reinsten vorstellbaren Form zu Tage, befreit von romantischen Schnörkeln, emotionalen Drückern, pseudodramatischer Kompaktheit. Ein Hundertmannorchester, anstrengungslos filigran wie ein erlesenes Kammerensemble. Nicht nur eine Sache des militärischen Drills (den man amerikanischen Orchestern so gern nachsagt), sondern geistiger Überlegenheit. Mozart ohne Pedal. Und die Pedale hat Szell auch abmontiert, wenn er sich, wie in den kammermusikalischen Beiträgen zu dieser Mozartedition, ans Klavier setzte. Seit Szells Tagen hat die historisch informierte Aufführungspraxis uns den Mozart auch mit anderen Ohren hören gelehrt. Aber gerade im Licht dieser jüngeren Erfahrungen lernt man auch die alten Mozartaufnahmen von Szell neu hören – sie sind kein bisschen gealtert.

Karl Dietrich Gräwe, 26.01.2007



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