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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Claude Debussy, Ludwig van Beethoven, Wolfgang Amadeus Mozart, Friedrich Gulda u.a.

Récital Montpellier

Friedrich Gulda

Accord/Universal 476 189
(106 Min., 7/1993) 2 CDs

So etwas kann eben bei Open-Air-Konzerten passieren: ein lautstarkes Passagierflugzeug kreiste da über dem Kopf von einer der letzten Klavierlegenden, die gerade im Kopfsatz von Beethovens Sonate op.110 versank. Während das Publikum mucksmäuschenstill lauschte, gespannt den Atem anhielt. Dieses musikalische Naturschauspiel ereignete sich 1993, als Friedrich Gulda nach langer Abstinenz wieder im französischen Montpellier auftrat. In einem historischen Innen-Hof, wo er geradezu sein letztes, auch damals natürlich buntes Hemd gerne verspielte. Es war schließlich ein Récital ganz nach dem Geschmack Guldas und seiner Anhänger.
Im ersten Teil: neben Beethoven ein wundersam luftig wie irisierender Debussy sowie eine Mozart-Sonate (KV 457), bei der Gulda sein Verständnis von Konstruktivität und Gefühlsausdruck auf wie selbstverständlich wirkende Glücksmomente verteilte. In der zweiten Hälfte dann gab es diese Melange aus Eigen- und Fremdkompositionen, die bei jedem anderen Pianisten zu einem 08/15-Potpourri geraten würde. Wenn aber allein der Plauderer Gulda sein gebrochenes Französisch mit jenem Charme würzt, der selbst engstirnigste Musikhörer gefangen nimmt, dann ist das die beste Voraussetzung, um Brücken und Bögen zu schlagen. Da regt sich keiner mehr auf über die manuell gnadenlos misslungene Interpretation von Chopins "Barcarolle", bei der das Instrument aus dem vorletzten Loch pfeift. Stattdessen spinnt Gulda einen scheinbaren Flickenteppich zu einem fliegenden Teppich zusammen, der bestens geeignet ist für seine musikalische Rundreise. Angefangen von einem eigenen Arrangement einer Arie aus Mozarts "Figaros Hochzeit" über Schumann und Schubert bis hinein in Guldas Wien, wo er mit seinem erzählerischen Ton von Fiakkern und Rebläusen plaudert - und als Rausschmeißer: Guldas "Aria im italienischen Stil", mit der er schon so manche Musikwissenschaftler auf die falsche Fährte brachte. Denn immerhin war Gulda ein unvergleichlicher Verführer.

Guido Fischer, 07.08.2004



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