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George Gurdjieff, Vassilis Tsabropoulos

Chants, Hymns and Dances

Anja Lechner, Vassilis Tsabropoulos

ECM/Universal 1888 o. 981 9613
(72 Min., 10/2003) 1 CD

Weite karge Landschaften lassen sich zu diesen Tönen assoziieren. Das Cello singt tief und ruhig und schafft eine nachdenklich-melancholische Stimmung, das Klavier gleitet sanft nebenher, melodiös, unaufdringlich und steigert sich ab und zu in weichgezeichnete Akkordkaskaden hinein. Begleitmusik zu einer Wanderung könnte dies sein, zu einer einsamen Reise auf verlassenen Pfaden. Man sinnt seinen Gedanken nach. Die Musik erscheint als tröstlicher Freund.
Die vertraute Klang mit exotischer Färbung ist uns nah und führt uns in ein fremdes Land. Seine Wurzeln liegen in Armenien, aber wir erleben eine Reise in ein Land, das weniger unsere realen Erinnerungen wachruft als unsere Fantasie beflügelt. Ist die Musik aufgeschrieben oder improvisiert? Alles scheint wie zufällig ineinander zu fließen, nichts hemmt den Fluss. Irgendwann schwingen wir uns ein und atmen mit der Musik.
"Gesänge aus einem heiligen Buch" heißt der erste Titel der CD und er kann programmatisch auf die 10 anderen kurzen Stücke übertragen werden, die der russische Philosoph, Dichter und Guru Georges Ivanovitch Gurdjieff zwischen 1925 und 1927 für Klavier geschrieben hat. Die deutsche Cellistin Anja Lechner und der griechische Pianist Vassilis Tsabropoulos haben die Musik für ihr Duo arrangiert, weniger notengetreu als inspiriert vom Geist der Lehre. Gurdjieff wollte, dass seine Botschaft vom Meister zum Schüler übertragen wird. Ziel war die innere Ruhe und die Erweckung des Menschen durch Transzendenz. In diesem CD-Programm entsteht eine Atmosphäre, die durchtränkt ist von archaisch-religiösen Tiefen, wie man sie auch in der Musik von Tigran Mansurian findet. Eine ideale stimmungsvolle Ergänzung sind die eigenen Kompositionen des 1966 geborenen Pianisten, deren Wurzeln in byzantinischen Hymnen liegen. Nichts für Realisten. Balsam für die Seele.

Margarete Zander, 25.09.2004



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