Das ist wieder so ein Trick. Das unwiderstehliche 50er-Jahre-Design, die Hochglanzpappe! Und wenn wir mit dem Finger über die CD streichen, die genau wie die Original-LP im Miniformat aussieht, dann spüren wir tatsächlich Rillen! Her damit! Und hineingetaucht in eine Zeit, als man Operette vermutlich noch hören konnte, ohne gleich als spießig oder hoffnungslos verkitscht gebrandmarkt zu werden.
Peter Anders singt diese Lieder frisch und frei und ohne falsches Sentiment, egal, ob er Rita Streich ins Chambre Separée entführt, mit Trude Eipperle rätselt, wer beiden die Liebe ins Herz gesenkt hat oder Anny Schlemm versichert, keine so wie sie zu lieben. Das ist Wirtschaftswunder-Operette, gesungen von einem der vielversprechendsten deutschen Tenöre seiner Zeit.
Vor 50 Jahren starb Anders bei einem Auto-Unfall. Vergessen ist er nicht. Doch auch nicht so präsent, wie ihm das zustünde. Im schmaler gewordenen kollektiven Operngedächtnis hat nur ein tragisch und zu früh ums Leben gekommener deutscher Tenor Platz: Fritz Wunderlich. Anders als dieser sang Anders ein gewaltiges Repertoire aus deutschen, französischen und italienischen Partien bis zum Otello. Alfredos "Di miei bolenti spiriti" und Canios "Vesti la giubba" zeigen als Bonus-Tracks den "seriösen" Anders, der gerade noch von Granada schwärmte. Auf Deutsch, versteht sich. Und trotzdem: molto passionato.

Jochen Breiholz, 11.12.2004



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