Alban Gerhardt prunkt in allen auf dieser CD versammelten Konzerten mit Cellopersönlichkeit, Farbenpracht und unermüdlicher Beredsamkeit. Die größte Entdeckung dürfte dabei das e-Moll-Konzert von Friedrich Gernsheim sein. Als Lehrer Humperdincks und Erstdirigent von Brahms’ "Deutschem Requiem" bildet er eine musikalische Brücke zwischen der vernünftig gewordenen Romantik (bei Brahms) und den Tondichtungen etwa von Richard Strauss. Alban Gerhardt spielt das kurze Werk mit ausschweifender Zartheit und lyrischer Schwärmerei. Die Musik wird leicht und sanguinisch – Eigenschaften, die man dieser CD insgesamt zugute halten darf.
Im Vergleich zu Gernsheim scheint die balladenhafte Gesanglichkeit von Robert Volkmanns a-Moll-Konzert noch biedermeierlich behaust zu sein. Alles wirkt idyllisch vergiebelt wie ein Spitzweggemälde. Auch Volkmann war, wie alle Komponisten hier, mit Brahms befreundet. Zu einem ganz eigenen Ton scheint er nicht vorzudringen.
Auch um die Konzertzukunft von Albert Dietrichs g-Moll-Konzert dürfte es nicht ganz rosig bestellt sein. Der Schumannschüler stellt sich zu treuherzig in den Schatten seines Lehrers – und bleibt hinter dessen Einfallsreichtum zurück. Halsbrecherisch wirkungsvoll schlägt indes Alban Gerhardt daraus musikakrobatischen Effekt. Auf CD unbedingt hörenswert.
Dass auch Schumanns a-Moll-Konzert hier – gleichsam mit Celloatem gesungen – nicht fehlen darf, ist letztlich wohl dessen Bekanntheitsgrad geschuldet. So rundet sich das Programm zum Kaleidoskop einer sich vervielfältigenden, dann auflösenden Romantik. Alban Gerhardt erweist sich auf dieser Entdeckungsreise erneut als erzählgewandter, musikalisch superber Cicerone. Das RSB unter Hannu Lintu begleitet etwas pauschal. Auch die Ausstattung der CD ist sparsamer als beim "Romantic Piano Concerto". Gleichwohl eine Steilvorlage für Sammler. Und ein Beweis für Intelligenz und Weitblick eines Cellisten, der Virtuosität mit Inhalt kongenial verbindet.

Robert Fraunholzer, 31.03.2007



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