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François Louis Delpesch, Antonio Bigatti

Contredanses

Les Berlinois, Sabine Erdmann

Hänssler Profil/Naxos PH 05002
(7/2003)

"Wenn ich was im Kopfe habe", meinte schon Goethes Lotte, "und mir auf meinem verstimmten Klavier einen Contretanz vortrommele, so ist alles wieder gut." Wir merken: anspruchsvolle Musik sollten wir bei diesen Tänzen nicht erwarten, auch wenn Sabine Erdmanns Cembalo sowie Violine, Oboe, Flöte und Cembalo des Ensembles "Les Berlinois" glänzend gestimmt sind. Ohne auf Widerstand zu treffen, nehmen die eingängigen viertaktigen Phrasen von den Gehörgängen Besitz und mit ihren periodischen Wiederholungen bringen sie irgendwann auch schwerfälligere Leiber in eine gewisse unwillkürliche Grundschwingung, die sich zumindest in rhythmischem Fingerzucken bemerkbar machen wird. Will man aber wirklich Genuss an dieser Musik haben, die zwischen 1770 und 1800 für die Tanzvergnügungen des Dresdner Hofes geschaffenen wurde, dann kommt man nicht umhin, selbst das Tanzbein zu schwingen. Da wäre es nun schön gewesen, hätte das "Studio für Historischen Tanz Berlin" das geplante Extraheft mit den originalen Choreographien und Tanzanweisungen bereits zeitgleich mit der CD herausgebracht. (Wann es wirklich erscheint, erfährt man über die Homepage des Instituts: www.shtberlin.de). Pur genossen fesseln die feinsinnig artikulierten, aber mit Rücksicht auf die Tänzer in strengem Rhythmus musizierten Stücke nicht so, dass man nicht noch nebenbei den Frühjahrsputz erledigen könnte. Oder, Goethe lesend, Lotte beobachten: "ihr ganzer Körper eine Harmonie, so sorglos, so unbefangen, als wenn das eigentlich alles wäre [...] Tanzen muss man sie sehen!"

Carsten Niemann, 23.04.2005



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