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Diverse

Opernarien

Jonathan Lemalu, New Zealand Symphony Orchestra, James Judd

EMI 557 605-2
(64 Min., 10/2004) 1 CD

Mit einem brillanten Lieder-Programm debütierte der Bariton Jonathan Lemalu, Neuseeländer samoanischer Abstammung, bei EMI; mit einem Arien-Rezital präsentiert er sich nun auf seinem anderen Standbein als schon jetzt sehr vielseitiger Opernsänger. Und so frappierend gelungen und stilsicher er sich im Liedgesang bewegte, so vorsichtig und noch nicht überall ganz sicher sind seine Schritte im Bühnenrepertoire. Als Falstaff etwa erreicht er noch keineswegs die darstellerische Souveränität großer Interpreten dieser Rolle wie etwa Giuseppe Taddei oder Tito Gobbi; es fehlt ihm dafür noch am Wagemut, er hat sich noch nicht wirklich "freigespielt". Ähnliches kann man auch an seinem Papageno bemängeln, den er übrigens schon auf der Bühne verkörpert hat: Eigenartigerweise scheint hier auch gerade der Umgang mit der deutschen Sprache, die er im Lied bis ins Letzte auszuloten vermag, obwohl er sie nicht spricht, einer wirklich überzeugenden komödiantischen Darbietung im Weg zu stehen. Bei "Die Frist ist um" aus dem Fliegenden Holländer fällt dieses Manko weniger ins Gewicht: Kein spielerisch-kreativer Umgang mit dem Wort ist hier gefordert, sondern eher effektvolles Deklamieren auf der Basis machtvoller Stimmentfaltung, mit welcher Lemalu zumindest passagenweise durchaus aufzuwarten versteht. Als agiler Leporello in der Register-Arie wiederum versteht er vortrefflich zu punkten, und auch in den drei Bariton- bzw. Bassrollen des Mozart'schen Figaro, die er schon alle auf der Bühne gesungen hat und auf dieser CD jeweils mit einer Arie repräsentiert, überzeugt er ohne weiteres: Vielleicht liegt ihm Mozarts Opernmusik derzeit am besten – was keineswegs heißen muss, dass er nicht auch in die anderen in diesem Rezital schon partiell in Angriff genommenen Partien mit der Zeit noch hineinwächst. Mit dieser Perspektive verbindet sich die Hoffnung, dass der erst 29-jährige Sänger besonnen bleibt, seine Karriere behutsam angeht und sich nicht verheizen lässt. Es ist noch kein Falstaff und auch kein Holländer vom Himmel gefallen – nur nichts überstürzen!

Michael Wersin, 18.06.2005



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