Responsive image
Diverse

Susanne Kessel – Piano-Porträt

Susanne Kessel

Arte Nova/BMG 74321 75498 2
(70 Min., 10/1995, 2/2000) 1 CD

Welch eine Wohltat: ein Klavier-Rezital ohne Tastendonner. Susanne Kessel suchte sich für diese CD Kompositionen aus, bei denen feinste Farbschattierungen und Nuancierungen des Ausdrucks im Vordergrund stehen. Szymanowskis Préludes op. 1, ein typisches Fin-de-Siècle-Produkt zwischen Chopin und Skrjabin, präsentieren ebenso eine Welt der Halbdämmerung, des emotionalen Zwielichts wie Helmut Lachenmanns Schubert-Variationen – ein Frühwerk des Komponisten, das überraschenderweise ein wenig nach Ravel klingt.
Susanne Kessels Interpretation meidet in diesen Werken alle Assoziationen des Schülerhaften und Unreif-Jugendlichen, enthüllt insbesondere in Szymanowskis Erstling eine Reife der musikalischen Aussage, die den späteren Werken dieses Komponisten nicht nachsteht. Herzstück des Programms bildet ausgerechnet ein Werk Griegs, der von "ernsthaften" Musikfreuden bis heute nicht recht akzeptiert ist – "Waldesstille" aus den Lyrischen Stücken, auch dies ein melancholisches, nachdenkliches Werk, von Susanne Kessel kompromisslos als Epos des Abschieds interpretiert.
Bei den übrigen Werken geht die Interpretin das Wagnis des Unbekannten ein, interpretatorisch auch hier mit Erfolg, doch vermögen mich weder Ilana Schapira-Marinescus "Haikus" noch "Tariqua" von Peter Feuchtwanger sonderlich zu begeistern. Sehr schön jedoch der Schlusspunkt des unkonventionellen Albums: "Aeolian Harp" des Avantgarde-Pioniers Henry Cowell, im Inneren des Klaviers gezupft und gestrichen – von zerbrechlicher Schönheit.

Thomas Schulz, 25.05.2000



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Darm mit Charme: Auf dem Buchmarkt hat unser Verdauungstrakt schon vor einigen Jahren seine marketingverbauschte Renaissance gefeiert. Stimmt es, dass dieses hochkonzentriert von Nerven durchsetzte Organ in der Evolution die Leistungen des später ausgebauten Gehirns mit der Intelligenz des Gefühls vereinte? In der Alten Musik ist der Darm bereits völlig ekelfrei in aller Munde: als Darmsaite. Dazu wird nach der Schlachtung von meist Schafen und Lämmern der Darm gewendet, von Schleimhaut und […] mehr »


Top