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Joseph Haydn, Johannes Brahms, Sergei Rachmaninow u.a.

Recital Lang Lang

Lang Lang

Telarc/In-Akustik 80524
(78 Min., 8/2000) 1 CD

Ein schauderhaftes Wortspiel, aber es bietet sich an: Lang, lang ist's her, dass ein asiatischer Künstler solch vertrauten Umgang pflegte mit den Wasserbüffeln der abendländischen Musik wie der Chinese Lang Lang, vor gerade mal achtzehn Jahren geboren in Sheng Yang, immer noch Schüler am Curtis Institute von Philadelphia.
Er beginnt, ganz unspektakulär, mit einer Haydn-Sonate. Aber er verniedlicht ihn nicht, sondern treibt klar und zart pointiert sein Spiel mit ihm: Überhaupt nicht viele können einen solchen Haydn, völlig unprätenziös, Asiaten nicht und auch nicht Europäer. Weit ist der Weg zu "Islamey", der "Orientalischen Fantasie" von Balakirew, einem der allerschwierigsten Klavierstücke. Lang Lang beschließt damit sein Konzert, und er gibt ihm virtuell dieselbe Klarheit, rhythmische Prägnanz und unaufwendige Farbigkeit wie dem Haydn.
Dazwischen dann Rachmaninow, Tschaikowsky und Brahms: Auch hier Geradlinigkeit, ohne das Geheimnis zu verraten. Das muss man selber gehört haben, um es zu glauben. Erinnert an den großen Orchesterdompteur Fritz Reiner, "Ausdruck durch Präzision". Das hat nie dieses seelenlose gute Funktionieren wie bei so vielen anderen Musikern des asiatischen Kulturkreises, sondern immer den Subtext von Einsicht, Verständnis, gerade bei Brahms, gerade bei dem scheinbar unproblematischen Tschaikowsky-Nocturne op. 19/4. Die wehe Süße des Brahms-Intermezzos A-Dur, so sparsam umrissen, ist ein echtes Mirakel an früh gereifter Klavierkunst!
Unwillkürlich fragt man sich, was ein Teenager aus China denn von der Weltwunde eines Johannes Brahms wissen oder verstehen könne? Vielleicht nicht alles, das liegt ja im Ohr des Zuhörers. Aber eminent viel. Lang Lang ist ein Phänomen!

Thomas Rübenacker, 29.03.2001



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