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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



Diverse

Klassik an einem Sommerabend - Ein Galakonzert aus Dresden

Angela Gheorghiu, Roberto Alagna, Chor der Sächsischen Staatsoper Dresden, Sächsische Staatskapelle Dresden, Giuseppe Sinopoli

EMI 4 92500 9
(101 Min.) 1 DVD, PCM-Stereo, PAL

Eigentlich ein ganz normales Freilichtkonzert. Aber es hat seine Besonderheiten. Es beginnt damit, dass Giuseppe Sinopoli, von unten gegen ein strahlend blaues Firmament fotografiert und durchgeistigt die schon halb verschwindsüchtige „Traviata“-Ouvertüre dirigierend – dass Signor Sinopoli, von dem man weiß, er fiel jüngst während einer „Aida“-Aufführung tot um, nur noch virtuell hier ist, um dieses Verdi-, Puccini- und Bizet-Potpourri zu dirigieren. Er ist, wie er hier gefilmt wurde, schon gar nicht mehr von dieser Welt.
Dagegen sehr von dieser Welt, so in Richtung Moshammer, sind Angela Gheorghiu und Roberto Alagna, das „Traumpaar“ der Oper, sie im silberhell glitzernden Kostüm, er ganz Jungbauer im Frack, mit Disco-Bart. Der Glamour also, wo er hingehört, nämlich auf die Bühne, bei den (ziemlich oft gezeigten) Zuschauern dominiert der Studienrat im Sweater. Das alles spielt sich ab in Dresden, vor der Semper-Oper, und wenn die Kamera sich langweilt, etwa weil bei einem rein instrumentalen Stück nur das Orchester, der Dirigent, die Hörer nicht pausenlos vorgeführt werden können, schweift sie ab in die nähere Umgebung, ein bisschen Dresden-Panorama, ein bisschen Zoom auf die Elbbrücke, wo mit Fortschreiten des Abends die vielen Autos dem Ganzen kleine Lichtlein aufsetzen.
Ergänzt wird das durch diverse Ballettratten, welche zu Bizets „Carmen“ und zur „Aida“ mehr gut gemeinte als gut gekonnte Verrenkungen machen, und am Ende, zur Hymne des Risorgimento, „Va pensiero“ aus Verdis „Nabucco“, zündet das zuvor so prosaische Publikum noch massenweise Wunderkerzen an und schwenkt sie – als wär’s die „Rocky Bucco Culture Show“.
Die Hülle kündigt englisch/deutsch/französische Untertitel an, ich konnte aber nur solche finden, die italienische Sangestexte auf italienisch wiedergaben und französische auf französisch. Also das gerade deutlich Gesungene noch mal in Schrift wiederholten, vermutlich, damit auch Taubstumme ihren Spaß an dieser DVD haben.
Und? Kann sie tatsächlich besser singen als er? Wohl schon. Er, Roberto Alagna, ist ein Buffo, im Grunde seines Herzens, sie, Angela Gheorghiu, eine Hochdramatische. Wenn er singt, hat man hinterher immer den Impuls, ihm auf die Schulter zu klopfen, prima zu sagen und ihn zu einem Bier einzuladen. Wie dagegen sie „Un bel dì“ aus der „Madame Butterfly“ rüberbringt, eine erstaunliche Stimmreserve nach der andern, würde es jenseits eines Drei-Sterne-Abendessens bestimmt nicht abgehen. Dieses „Galakonzert“ aber bietet letztlich nur gediegene Hausmannskost mit ein paar exotischen – und nicht immer absichtsvoll beigemischten – Gewürzen. Ansonsten: Schön, Giuseppe Sinopoli noch mal lebend, aber schon so verklärt gesehen zu haben.

Thomas Rübenacker, 07.06.2001



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