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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Hector Berlioz

Les nuits d'été, La mort de Cléopâtre u. a.

Véronique Gens (Sopran), Orchester der Oper Lyon, Louis Langrée,

Virgin Classics/EMI 7243 5 454222 0
(61 Min., 6/2000, 2/2001) 1 CD

Jetzt ist Véronique Gens also Kleopatra, die ägyptische Königin, deren Bild Hector Berlioz in seiner Bewerbungskantate für den Rompreis so herausfordernd hypertroph gezeichnet hat. Doch so ganz nehme ich ihr diese Rolle nicht ab: "Ach wie fern sind diese Tage", dieser erste Halbsatz ihrer Arie, mit sanft aus der Brust hervorgestoßenen Seufzern würde zwar auch den Cäsar unter den Kritikern weich machen. Doch der Satz geht eben noch weiter. Und wenn sich die Singstimme stolz aufschwingt, dort, wo Kleopatra, sich lässig mit Venus vergleichend, an ihren triumfalen Einzug am Cydnus erinnert, da fehlt es Véronique Gens an Temperament und dramatischer Durchschlagkraft.
Halten wir uns darum besser an den Orchesterliederzyklus Les Nuits d'été, dessen poetische Bilderfülle Véronique Gens mit Eleganz und viel Versgefühl bewältigt. Ihre leichte Tendenz zum hauchigen Ton und der weiche Orchesterklang machen sich durchaus vorteilhaft in den morbiden Friedhofsszenen und Totenklagen. Und so überraschend schauderhaft plastisch wie unter Louis Langrée habe ich die Geistererscheinungen in "Auf dem Friedhof" auch noch nie gehört - man schlägt nach und reibt sich die Augen: alle Effekte stehen deutlich in der Partitur, man muss nur den Mut zur Drastik haben.
Mehr als neue Farben im gewohnten Klang bieten schließlich einige unbekanntere Orchesterlieder: als melancholische Gefangene aber auch als spielerisch-übermütige Zaïde ist die Gens endlich ganz in ihrem Element.

Carsten Niemann, 22.11.2001



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