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Peter Iljitsch Tschaikowski

Ballettsuiten - "Dornröschen", "Schwanensee", "Der Nussknacker"

Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan

DG 419 175-2
(1996, 1971) Komponiert 1875 bis 1892; ADD, aufgenommen in Berlin

Gewiss, Tschaikowski hatte Vorbilder: Adolphe Adam mit seiner zauberhaften "Giselle", auch Léo Delibes mit "Coppélia, oder: Das Mädchen mit den Emaille-Augen", beides Ballette von hohem musikalischem Reiz und stringenter Charakterisierung. Aber dennoch war’s ein Einschnitt in der Geschichte der Gattung, als "Der Schwanensee" herauskam: Zum ersten Mal durchwehte ein geradezu sinfonischer Atem ein Ballett, die "Nummern" verbanden sich zu einem grandiosen Ganzen, die Charakterisierungskunst verfeinerte das alte Schema Gut/Böse noch um diffizilere Empfindungen, also "traurig", "übermütig", "verliebt", "beschämt" und so weiter.
Natürlich könnte jetzt eingeworfen werden: Warum dann nicht lieber eine Gesamtaufnahme? Sicher. Es gibt wunderbare Gesamtaufnahmen aller drei Tschaikowski-Ballette: "Schwanensee" von John Lanchbery (EMI, in Deutschland nicht erhältlich), "Dornröschen" von Michail Pletnjew (DG) oder "Der Nussknacker" von Semjon Byschkow (Philips). Aber Ballett-Gesamtaufnahmen sind nun mal nicht jedermanns Sache.
Wer also nur die Höhepunkte sucht, daran ist ja nichts Verwerfliches, der wende sich an Herbert von Karajan und seine Berliner Philharmoniker. Denn farbiger, leuchtender, raffiniert-verführerischer, als der Klangsensualist Karajan sie hier herbeizauberte, kann man diese drei Suiten nicht wiedergeben (von denen der Komponist übrigens nur eine, "Nussknacker", selbst absegnete).
Das ist Wohlklang von Samt und Seide, von Glanz und Glorie, wie’s Karajan ja liebte, aber hier passt er wahrlich besser als, sagen wir: bei einer Schumann-Sinfonie. (Unvergesslich die TV-Aufzeichnung einer Probe der Schumann-Vierten in Wien, bei der Karajan allen Ernstes seine Musiker anwies: "Seidiger, meine Herren, seidiger!") Mit anderen Worten: Bei dieser Tschaikowski-Ballettsuiten-CD ist man Kulinariker - hier darf man’s auch sein.

Thomas Rübenacker, 01.12.1999



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