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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



Gioachino Rossini

Der Barbier von Sevilla (Il barbiere di Siviglia)

Maria Callas, Luigi Alva, Tito Gobbi, Fritz Ollendorf, Nicola Zaccaria, Gabriella Carturan, Mario Carlin, Philharmonia Orchestra, Philharmonia Chorus, Alceo Galliera

EMI 5 56310 2
(1957) 2 CDs, Uraufführung: 20. Februar 1816 in Rom; ADD



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Gioachino Rossini

Der Barbier von Sevilla (Il barbiere di Siviglia)

Teresa Berganza, Luigi Alva, Hermann Prey, Enzo Dara, Paolo Montarsolo, Stefania Malagú, Renato Cesari, London Symphony Orchestra, London Symphony Chorus, Claudio Abbado

Deutsche Grammophon 457 733-2
(1972) 2 CDs, Uraufführung: 20. Februar 1816 in Rom; ADD



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Was für ein Wurf! Es gibt Werke, die fassen die gesamte Gattungsgeschichte schlaglichtartig zusammen. Rossinis "Barbier", sein bekanntestes Werk, in nur vier Wochen komponiert, ist ein solcher Wurf für die Opera buffa. Nicht so sehr der stereotypierten Buffo-Figuren wegen, als da wären: der alte grantig-habgierige Junggeselle Bartolo, sein reiches, hübsches, junges Mündel Rosina, ihr gräflich-heißblütiger Verehrer Almaviva und der geschickte, auf seinen Vorteil bedachte Fädenzieher Figaro. Es ist vor allem Rossinis Spritzigkeit, die hinreißende Situationskomik, die eingängigen und doch so raffinierten melodischen Einfälle, vor allem aber die unnachahmlichen Tumultszenerien - sie machen diesen Geniestreich zur Buffa-Krönung schlechthin.
Was aber soll in diesem Zusammenhang der Name Maria Callas?! In der Tat musste die aufs hochdramatisch-tragische Fach abonnierte Callas nach ihren fünf Scala-Aufführungen einige Kritik einstecken - ihrer allzu verbissenen, stimmlich überzogenen Vorstellung wegen. Die Londoner Studio-Aufnahme hingegen zeigt ihre wunderbare Verwandlung: die "Assoluta" weiß sich einzuordnen und garniert ihre Rosina-Rolle mit allem erdenklichen Esprit und Witz. Ihre fabelhaften Koloraturkünste, ihr Belcanto-Schmelz: was unter dramatischen Vorzeichen geradezu elektrifiziert, das verströmt hier im Buffo-Kontext eine betörende Leichtigkeit und Anmut. Der kernig-voluminöse, gleichwohl ungemein agile Tito Gobbi und der so fulminante wie komisch-verbiesterte Fritz Ollendorf sind weit mehr als nur Callas-Beiwerk. Getrost kann man also von einem Muster-Barbier sprechen, zumal Alceo Galliera mit den Philharmonia-Musikern ein Rossini-Feuerwerk erster Güte abbrennt.
Ein noch fulminanteres inszenierte der junge Claudio Abbado mit dem Londoner Sinfonieorchester: derart detailbesessen und rhythmisch federnd hat man Rossini bislang nicht mehr gehört. Kongenial dazu hat Hermann Prey einen Figaro voll bravouröser Verve hingelegt, wohingegen Teresa Berganza bei aller strahlenden Höhe Probleme hat, die frische Jugendlichkeit ihrer Rosina glaubhaft zu machen. Luigi Alva gab hier wie dort den virtuos auftrumpfenden gräflichen Strahlemann. Unter Galliero gefällt er mir besser, obwohl er hier - im Gegensatz zur phänomenalen Leistung unter Abbado - in den halsbrecherischen Koloraturen auch mal fünf gerade sein lässt; das nimmt seinem jugendlichen Liebhaber aber nichts von seiner Überzeugungskraft. Fünfzehn Jahre später hat sich hingegen ein Vibrato, das ins Tremolo übergeht, eingeschlichen. Gleichwohl: zwei nahezu gleichwertige Ideal-Einspielungen des einzigartigen Rossini-Tumults.

Christoph Braun




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