Seit ihrer Uraufführung schon ist Puccinis "Tosca" ein Streitfall: Vielen galt die blutige Geschichte um den Maler Cavaradossi, seine Geliebte Tosca und um Scarpia, den Chef der Geheimpolizei, als purer Verismus, und - zumal im Vergleich zur überaus erfolgreichen "Bohème" - als reichlich unpoetisch.
Wieviel Gewicht Puccini in "Tosca" dem Orchester zugestand, macht unter den Einspielungen der Oper vor allem diejenige unter Georg Solti deutlich: So knallig, so prägnant und in den Bläsersätzen so schneidend-präzise verhilft wohl kein anderer Dirigent dem Leben und Ableben der drei Protagonisten zu blutroter instrumentaler Grundierung. Daß "Tosca" in ihrer suggestiven motivischen Vernetzung Puccinis unbestritten Wagner-verwandteste Partitur ist, macht Solti durchaus auch hörbar.
Leider ist Leo Nucci nur ein schmuseweicher Scarpia, der an die legendären Gestaltungs-Taten Tito Gobbis auch nicht annähernd herankommt. Das tut auch Kiri Te Kanawa als Tosca selbstredend nicht, wenn man sie mit der (vor allem frühen) Maria Callas vergleicht. Doch wer sich von seiner Bewunderung für historische Leistungen lösen kann, der kann an ihrer sehr noblen Darstellung Gefallen finden. Und Giacomo Aragalls einziges Problem (hier) liegt darin, daß er nicht Plácido Domingo ist.
Der Hauptdarsteller, das Orchester, gibt sich - auch dank der hervorragenden Aufnahmetechnik - im wahrsten Sinne des Wortes glänzend: Allein das "Te Deum" am Schluß des ersten Aktes verdient es, in voller Lautstärke so gehört zu werden, daß erschütterte Nachbarn mit Besenstielen gegen Wände und Decken klopfen.

Susanne Benda, 01.12.1999



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top