Seit ihrer Uraufführung schon ist Puccinis "Tosca" ein Streitfall: Vielen galt die blutige Geschichte um den Maler Cavaradossi, seine Geliebte Tosca und um Scarpia, den Chef der Geheimpolizei, als purer Verismus, und - zumal im Vergleich zur überaus erfolgreichen "Bohème" - als reichlich unpoetisch.
Wieviel Gewicht Puccini in "Tosca" dem Orchester zugestand, macht unter den Einspielungen der Oper vor allem diejenige unter Georg Solti deutlich: So knallig, so prägnant und in den Bläsersätzen so schneidend-präzise verhilft wohl kein anderer Dirigent dem Leben und Ableben der drei Protagonisten zu blutroter instrumentaler Grundierung. Daß "Tosca" in ihrer suggestiven motivischen Vernetzung Puccinis unbestritten Wagner-verwandteste Partitur ist, macht Solti durchaus auch hörbar.
Leider ist Leo Nucci nur ein schmuseweicher Scarpia, der an die legendären Gestaltungs-Taten Tito Gobbis auch nicht annähernd herankommt. Das tut auch Kiri Te Kanawa als Tosca selbstredend nicht, wenn man sie mit der (vor allem frühen) Maria Callas vergleicht. Doch wer sich von seiner Bewunderung für historische Leistungen lösen kann, der kann an ihrer sehr noblen Darstellung Gefallen finden. Und Giacomo Aragalls einziges Problem (hier) liegt darin, daß er nicht Plácido Domingo ist.
Der Hauptdarsteller, das Orchester, gibt sich - auch dank der hervorragenden Aufnahmetechnik - im wahrsten Sinne des Wortes glänzend: Allein das "Te Deum" am Schluß des ersten Aktes verdient es, in voller Lautstärke so gehört zu werden, daß erschütterte Nachbarn mit Besenstielen gegen Wände und Decken klopfen.

Susanne Benda, 01.12.1999



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