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Johannes Brahms, Joseph Joachim

Violinkonzerte

Christian Tetzlaff, Dänisches Nationalorchester, Thomas Dausgaard

Virgin Classics/EMI 5021092
(78 Min., 12/2006, 3/2007) 1 CD

Nach seiner wirklich sensationellen zweiten Gesamteinspielung der Bachsonaten und -partiten empfiehlt sich Christian Tetzlaff auch mit den Violinkonzerten von Brahms und Joseph Joachim als einer der zurzeit spannendsten und vielseitigsten Geiger. Zeugt Tetzlaffs Bachspiel nicht zuletzt von einer gründlichen Beschäftigung mit der Aufführungspraxis des Barock und deren möglicher Adaption auf einem modernen Instrument, operiert er nun denkbar dicht am Herz der Romantik. Joseph Joachims Assimilation des damals populären ungarischen (will auch sagen: „zigeunerhaften“) Idioms in seinem zweiten Violinkonzert begegnet Tetzlaff mit einer fiebrigen Tongebung mit weitem Vibrato und energischen, mal schluchzenden, mal vorantreibenden Akzenten – was dem kompositorisch etwas angestrengt wirkenden Werk eine Dringlichkeit verleiht, die es von der Papierform selbst eher behauptet denn wirklich besitzt. Der qualitative Unterschied zum Konzert von Brahms schlägt sich sogleich in dessen wesentlich differenzierterer Interpretation nieder, die nun in einem großartigen Balanceakt zwischen Disziplin und Freiheit einen Detailreichtum hervorkehrt, der selbst den überraschen wird, der glaubt, das Konzert eigentlich in- und auswendig zu kennen. Verblüffend nicht nur, wie lebendig und originell Tetzlaff phrasiert, sondern auch, wie er mit einer ungemein subtilen Tempodramaturgie die große Form sichert und gleichzeitig die Musik ganz aus dem Augenblick heraus entwickelt. Das Dänische Nationalorchester unter Thomas Dausgaard agiert zuverlässig und in guter Abstimmung, wenngleich nicht ganz so brillant wie sein Solist, der hier wieder einmal Maßstäbe setzt.

Raoul Mörchen, 14.03.2008



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