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Stefano Landi

Il Sant’Alessio

Philippe Jaroussky, Max Emanuel Cencic, Alain Buet u.a., Les Arts Florissants, La Maîtrise de Caen, William Christie

Virgin Classics/EMI 5189999
(162 Min., 10/2007) 2 DVDs

Acht Countertenöre auf einmal bekommt man nicht alle Tage geboten. 2007 war es aber soweit. Als sich William Christie mit dem auf historische Inszenierungskunst abonnierten Regisseur Benjamin Lazar zusammentat, um in jene Epoche aufzubrechen, in der Frauen auf der Opernbühne nichts zu suchen hatten. Wie in dem 1631 erstmals in Rom aufgeführten Dramma musicale "Il Sant’Alessio" von Stefano Landi (1587-1639). Im Mittelpunkt dieser geistlichen Oper steht der Heilige Alexius, der Familie und Braut zurücklässt, um fortan ein kontemplatives Leben zu führen. Und da er kann sich von den Hausangestellten noch so verspotten lassen – er bleibt seinem Weg treu. Selbst trotz der Verführungskünste, mit denen der Teufel ihn höchstpersönlich wieder auf den Pfad der Untugend zurückführen will. Christie hatte schon vor knapp 20 Jahren mit seiner Ersteinspielung bewiesen, um was für einen großartigen Schatz und für eine tolle Musik es sich bei "Il Sant’Alessio" handelt. Farben- und emotionsreiches Recitar Cantando wechselt sich da mit frechen Commedia’dell-Arte-Effekten ab, es stehen sich stolze Chorpartien und arios verlockende Bekenntnisse gegenüber.
Das reine, musikalische Glück lässt sich aber eben nicht immer ganz wiederholen. Und so kam es Anno 2007, wie es kommen musste. Statt der ehemals auch weiblichen Erfolgsgaranten wie Patricia Petibon in der Titelpartie wurde der Aufmarsch von Countertenören gleichsam zum Spiegelbild einer durchaus aufwendigen Produktion – die aber in ihrem Bemühen um radikale Aufführungsauthentizität irgendwo zwischen Schulaula-Oberammergau und holzgeschnitzter Altarkunst wahlweise unfreiwillig komisch oder langatmig daherkommt. Da hüpft der Teufelschor wie ein Rudel Zotteltiere über die Bühne. Die Herren Countertenöre Max Emanuel Cencic (als Alessios Braut) und Xavier Sabata (als Alessios Mutter) sind mit ihren aufwendigen Frauenkleidern und Spitzenhauben noch nicht mal eine Karikatur auf die römischen Aufführungsdogmen zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Und Philippe Jaroussky muss mit seinen Krakenärmchen himmelbeschwörende Gesten abliefern, die nun wirklich keiner mehr sehen will. Wenigstens mit seiner vokalen Beseeltheit und Empfindsamkeit kann Jaroussky sein Engagement mehr als rechtfertigen. Während der Rest des Ensembles – bis auf den fulminant bärenstarken Bass Luigi De Donato als Dämon – kompetent, aber nicht nachhaltig fesselnd zu Werke geht. Die Aufmachung der DVD hat ihre Eigenheiten. Im Booklet fehlt die genaue Track-Folge (da kann aber das von Christies CD-Aufnahme aushelfen). Das Bonus-Material mit Interviews u. a. vom Dirigenten und Regisseur gibt’s leider nur ohne Untertitel in der französischen Originalfassung.

Guido Fischer, 25.07.2008



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