Responsive image
Johannes Brahms

Sinfonien Nr. 3 und Nr. 4

London Classical Players, Roger Norrington

EMI 5 56118 2
(72 Min.) 1 CD

Es liegt ein Hauch von Abschied nicht nur über diesen sinfonischen Spätlingen des hanseatischen Spätromantikers, der die klassischen Formen noch einmal zur Vollendung brachte. Auch diese Aufnahme atmet etwas von Endzeit: die London Classical Players sind, so ihr Chef im Beiheft, nun kurz vor dem Abschluss ihrer dreißig Jahre währenden Wanderung durch die „Geschichte der Aufführungspraxis“ angelangt. Seiner in diesen drei Jahrzehnten mitunter höchst aufregenden authentischen Schlankheitsmaxime folgend, lässt Norrington hier ein „kammermusikalisch proportioniertes Orchester der Brahms-Zeit“ mit jeweils gleich starken Chören von Streichern, Holz und Blech auftreten. Das Klangresultat ist zweischneidig: die Bläser sind ungewohnt und angenehm präsent, ihrer Bauart gemäß warm und voll im Ton, während die Streicher sich verdünnisieren. Die Truppe agiert in gewohnter, rhythmisch höchst wendiger Präzision, mit einer Homogenität, die nichts zu wünschen übrig lässt.
Ob allerdings das Ziel erreicht wurde, Brahms von der tradierten, falschen Schwere zu befreien, darüber lässt sich streiten. Nicht nur büßen die Streicher-Kantilenen zuviel vom Brahms-typischen Schmelz ein, auch gerät die Entschlackungskur zur falschen Diät, wenn die Ecksätze mit ihren dräuenden und sich entladenden Spannungsmomenten derart luftig angegangen, ja fast hastig übergangen werden. Da mögen die Andante-Sätze wundervoll austarierte Ruhepole sein, die Allegri, die tragenden Säulen in puncto Gehalt und Pathos, die Brahms nicht umsonst mit „energico e passionato“ versah, sind für ein solches „light“ ungeeignet.

Christoph Braun, 30.04.1996



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Olivier Messiaens Turangalîla-Sinfonie zählt ohne Zweifel zu den eindrücklichsten und gewaltigsten Monumenten der Sinfonik des 20. Jahrhunderts. Dieses mit 80 Minuten überlange Monstrum von Sinfonie spielt man nicht ohne Weiteres – weder live im Konzertsaal, noch auf CD ein. Und so war es durchaus ein Ereignis, als das Mannheimer-Nationaltheaterorchester unter der Leitung seines Chefdirigenten Alexander Soddy diesen Meilenstein in Prä-Corona-Zeiten dank Spendenunterstützung als […] mehr »


Top