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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



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Hector Berlioz, Wolfgang Amadeus Mozart, Hugo Wolf, Robert Schumann, Franz Schubert u.a.

New York Town Recitals - The Art of Song

Cesare Valletti, Leo Taubman

Testament/Note 1 SBT2 1413
(140 Min., 1958, 1959, 1960) 2 CDs

Belcanto und Pasta: Hauptsächlich zwischen 1947 und 1967 entfaltete sich die Gesangskarriere von Cesare Valletti (1922-2000), einem der führenden Tenori di grazia seiner Epoche – recht kurz, muss man sagen. Anschließend stieg der Mittvierziger in die Nudelmaschinen-Produktion seines Schwiegervaters ein und scheint sich dort ebenfalls ganz gut gemacht zu haben. Für die Nachwelt ist eher die erste Hälfte seiner beruflichen Biografie interessant, und die ist glücklicherweise auch auf Tonträgern dokumentiert. Vallettis Engagement in New York Ende in der zweiten Hälfte der Sechziger Jahre endete mit einem unerwarteten und bis heute wohl auch ungeklärten Rauswurf aus dem Ensemble der Met durch Rudolf Bing. In die Zeit kurz vor diesem merkwürdigen Ereignis fallen die Aufnahmen, die diese Doppelbox präsentiert: Zwei Rezitals aus der New Yorker Town Hall und eine Studioproduktion, begleitet jeweils von dem flinken und offenbar niemals aus der Ruhe zu bringenden Pianisten Leo Taubman. Cesare Valletti lässt sich mit einem Repertoire hören, das sich von der altitalienischen Arie bis hin zum europäischen Kunstlied erstreckt und einen Schwerpunkt beim deutschen Lied Schumanns, Schuberts und Wolfs setzt. Die deutschen Lieder, für die Valletti sehr gelobt wurde, sind und puncto Sprachbeherrschung und Gestaltung durchaus als beachtlich zu bezeichnen, würden heutigen internationalen Standards jedoch nicht mehr ganz genügen. Zu gern überführt Valletti sein Opern-Portamento auch in den Liedgesang, zu oft kommt er mit seinen Portamenti allerdings auch nicht ganz auf der angesteuerten Tonhöhe an, wie etwa in Wolfs "Verschwiegener Liebe" zu hören. In technischer Hinsicht läuft Vallettis Stimme auch nicht ganz so einwandfrei, wie oft schwärmerisch behauptet wird: Die Spitzentöne in Berlioz’ "Villanelle" etwa klingen, wenn sie auf die Vokale "i" oder "e" fallen, recht unbequem und werden leicht nasaliert. Übergangsprobleme zur hohen Lage werden vor allem im Mezzoforte oder im Piano an vielen Stellen hörbar, sowohl bei den Livemitschnitten als auch im Studio (man höre etwas Schuberts "Der Jüngling an der Quelle"). Freilich ist Vallettis Material als solches außergewöhnlich schön und gelangt zu zauberhafter Wirkung, wenn ein Stück sehr gut zu den Vorzügen der Stimme passt, zu erleben etwa mit Giuseppe Sartis "Lungi dal caro bene". Aber längeres Lauschen lässt immer mehr auch die Mängel wahrnehmen, und diese könnten durchaus die Kürze der Karriere mit bedingt haben.

Michael Wersin, 15.08.2008



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