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Johannes Brahms

Klaviersonate Nr. 3, Balladen op. 10

Lars Vogt

EMI 5 57125 2
(62 Min., 10/1998) 1 CD

Um die Qualitäten von Lars Vogts Brahms-Spiel zu erfassen, sollte man, anstatt sich über die akkurate Neutralität zu wundern, mit der er die Sonate Nr. 3 beginnt, vielleicht gleich einmal zur letzten Ballade springen, ausnahmsweise.
Spielen den so beunruhigend altersmilde rieselnden Beginn dieser vierten Ballade nicht die meisten Pianisten lustvoll resigniert und bittersüß? Lars Vogt nicht. Der ebnet sich ein Vorfeld von Nüchternheit, das gar etwas hölzern wirkt. Wenn dann der Mittelteil beginnt, begreift man den dramaturgischen Zweck. Immer langsamer werdend, dem Stillstand entgegen, entrückt er diese Musik aus dem Bereich des thematisch Fassbaren. Aus der Deutlichkeit fällt man in eine Dämmerzone. Wilhelm Kempff hat diesen Weg angedeutet, doch Vogt geht ihn viel weiter, eine Ferne erzeugend, ohne die melodischen Fäden in diesen weiten Klangräumen zu verlieren. Statt des oft zu hörenden Triolengerühres spaltet er sie raffiniert in Farbschichten auf. Nicht eine gesuchte, unorganische Linie entwirft er dabei. Es ist eine leise Kunst.
Geht man nun zur Sonate über und beobachtet, wie er mehr und mehr zum emotionalen Kern des Andantes vordringt, das uns einmal nicht gleich mit Sentiment einfängt, sondern etwas kühl begrüßt, wie er die Trauer des Intermezzos eisig und schlicht hinstellt, dann ist man durchaus bereit, ihm gelegentliche Neutralität und Glanzlosigkeit nachzusehen. Mögen andere losbrausen, Vogt erschließt sich die bedächtigen und zarten Augenblicke mit beachtlichem Gespür für das Scheue und Spröde brahmsscher Empfindung.

Matthias Kornemann, 01.02.2001



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