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Johannes Brahms

Ein deutsches Requiem

Edith Mathis, Wolfgang Brendel, Symphonieorchester des BR, Rafael Kubelik

Audite/Naxos 95.492
(74 Min., 9/1978) 1 CD

Natürlich ist es zu begrüßen, wenn sich CD-Labels bei Schätzen deutscher Rundfunkarchive bedienen. Doch erscheint mir die Revitalisierung dieses 24 Jahre alten Konzert-Mitschnitts beileibe nicht zwingend. Haftete der Annäherung Rafael Kubeliks und des BR-Sinfonie-Orchesters an Brahms' "Deutsches Requiem" etwas wirklich Besonderes an, ließe sich das Ganze ja verstehen - da dies jedoch nicht der Fall ist, wollen mir Sinn und Zweck der digitalisierten Aufbereitung von analogem Ausgangs-Material nicht so recht einleuchten.
Wobei es hier durchaus Außergewöhnliches zu hören gibt. So wirkt der erste Satz ungewöhnlich schleppend, und der zweite beginnt in ungewöhnlich raschem Stakkato (oder besser: in ungewöhnlich stakkato-hafter Schnelligkeit), und seine große dynamische Steigerung wirkt ungewöhnlich aufgesetzt. Sehr einfühlsam und sehr präzise führt Kubelik die Linien des Orchesters und vor allem des Chores, der sehr fein und mit überaus genauer Artikulation singt. Wolfgang Brendel überzeugt durch viel Ausdruck, Präzision und Volumen; Edith Mathis bringt einige Emotion, aber auch Schärfen in der Höhe und eine gelegentliche Trägheit in der Stimmführung ein. Und dann darf das fünfzehnte Brahms-Requiem meiner Sammlung getrost ins Regal wandern.

Susanne Benda, 20.06.2002



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