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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



Im 20-minütigen "Making of" auf dieser DVD sagt Rolando Villazón, man müsse jeden Tag leben nicht etwa, als sei es der letzte – sondern der erste! Prompt sagte der Tenor alle weiteren Vorstellungen dieser Produktion ab. Die DVD dokumentiert den letzten – und schwierigsten – Augenblick in Villazóns Karriere vor der Stimmkrise, die man vorausfühlt und die bis heute nicht völlig überwunden scheint. Zugleich war es das Berliner Operndebüt von Anna Netrebko. Die Aufführung spaltete die versammelte Kritikerschaft. Jürgen Kesting echauffierte sich nachträglich über die "peinliche Softporno-Regie" des Madonna-Choreographen Vincent Paterson – und verriet so eine glückliche Unvertrautheit mit den Selbstverständlichkeiten heutiger Opernregie. Kurz: ein dokumentationswürdiger Abend. In Patersons dekorativer Verlegung in die Fünfzigerjahre des Kinos ist das Ganze leicht abzufilmen. Anna Netrebko als rotgoldige Nymphe mag ein Glücksgriff sein, soweit stimmliche Erotik in Betracht kommt. Zwischentöne, Gebrochenheit und Gefahr bleibt sie – auch optisch – schuldig. Villazón versucht französische Eleganz durch italienisches Pathos zu ersetzen; ein nicht nur fragwürdiges, sondern eben kraftzehrend riskantes Unterfangen. Der Rest der Besetzung wirkt austauschbar – einschließlich Daniel Barenboim, der sich als Allrounder einen vergleichsweise geschmeidigen Anstrich gibt. Unter der gut sortierten Auswahl von DVD-"Manons" (Gruberova, Fleming, Dessay) zeigt sich Netrebko als die zugleich passendste und – wegen ihrer "knusprigen Geheimnislosigkeit" – blasseste Manon. Ihr fehlt durchtriebene Unschuld. Erneut eine DVD, die einen gewissen Merchandisingcharakter nicht loswird.

Robert Fraunholzer, 16.01.2009



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