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Free Runner

Juliano Rossi

Blue Note/EMI 6931662
(37 Min.) 1 CD

Zunächst war das ja nur als Spaß gedacht: Nachdem sich Oliver Perau 1996 von seiner relativ erfolgreichen Rockband Terry Hoax getrennt hatte, trat er bei der Vernissage eines befreundeten Fotografen mit ein paar Swingnummern auf. Als Verbeugung vor Dean Martins italienischen Wurzeln legte er sich kurzerhand den etwas albernen Künstlernamen Juliano Rossi zu. Und nun, nach Jahren des Tingelns und einem nicht unbedingt viel beachteten Debütalbum, das: Pünktlich zum 70. Geburtstag der Plattenfirma Blue Note bringt der Hannoveraner eine CD auf dem Traditionslabel heraus. Er ist erst der dritte Deutsche, der dafür würdig befunden wurde. Allerhand. Aber durchaus okay. Juliano Rossi rechtfertigt seine Überraschungsnominierung mit einem kurzen und sehr gewitzten Album, auf dem er das Schwerenöter-Croonertum eines Tony Bennett mit den Errungenschaften moderner Studiotechnologie kombiniert. Man hört auf "Free Runner" jede Menge Samples – unter anderem swingendes Plattenkratzen, rhythmisches Tischfußballklickern oder groovendes Kleingeldklingeln.
Dennoch klingt die ganze Sache charmant altmodisch. Was zum einen an Rossis Stimme liegt, die an Elvis Costello oder das Rat Pack gemahnt, sich zum anderen auf die selbst verfassten Lieder zurückführen lässt. Songs wie "I Love the Ocean" oder "Is There a Function in this World for Me?" erinnern zuweilen an Klassiker längst vergangener Zeiten, in denen ein Mann ohne Whiskeyglas und Zigarre nichts galt. Gleichzeitig hält sich Rossi mit ironischer Distanz in den Liedzeilen die Vorwürfe vom Leib, bloß ein braver Nostalgiker zu sein. Man nimmt es ihm ab und hat Spaß. Für die, die es interessiert: Herr Rossi ist durchaus eine amüsante Alternative zu Roger Cicero.

Josef Engels, 19.03.2009



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