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Robert Schumann, Franz Liszt, Sergei Prokofjew u.a.

Denis Matsuev – The Carnegie Hall Concert

Denis Matsuev

RCA/Sony BMG 88697 29146-2
(78 Min., 11/2007) 1 CD

Am Anfang ahnt sein Steinway noch nicht, was auf ihn zukommen wird. Im bereinigten Piano-Bereich nimmt sich Denis Matsuev da den sanft dahinwiegenden Triolen an, die ihn zu Schumanns "fremden Ländern und Menschen" tragen. Und auch wenn zwischendurch der "Hasche-Mann" durchtrainiert daherkommt und die "Wichtige Begebenheit" mit ihren durchlaufenden Oktavmarkierungen selbstbewusst ihrem Namen alle Ehre macht, so versteht Matsuev die "Kinderszenen" doch vielmehr als Medaillons der Erinnerung und weniger als auf den Moment abgestellte Charakterstücklein. Seine sehnige Lyrik bewahrt Matsuev aber davor, nur annähernd jenes metaphysische Ungefähre zu berühren, das beispielsweise ein Wilhelm Kempff ausgekostet hat. Das Erregende und Fragende besticht vielmehr in seiner Klarheit. Und die lässt nicht nur hier, sondern bei Matsuevs gesamtem Rezital wieder einen Namen gegenwärtig werden, der für den 34-Jährigen zum Leitbild geworden ist: Vladimir Horowitz.
Schon mit einer Horowitz-Hommage voller Liszt´scher Hürden und Transkriptionen hatte Matsuev sich 2005 virtuos im Windkanal gehalten. Und auch im ersten Klavierkonzert Tschaikowskys ging es nahezu so knisternd hoch her wie bei seinem Landsmann. Beim Soloauftritt 2007 in der New Yorker Carnegie Hall setzte Matsuev nun gleichermaßen mit der Programmdramaturgie eine eindeutige Referenz. Von Schumanns "Kinderszenen" über Liszts h-Moll-Sonate bis zur siebten Sonate von Prokofjew wagte er sich an legendäre Horowitz-Schlager heran – um danach mit einer kleinen Skrjabinetüde sowie zwei Showpiècen gleich noch nachzulegen. Matsuevs dynamische Verve und pianistische Makellosigkeit bildeten dabei das entsprechende Rüstzeug, um in die Nähe der leichtentzündbaren Klangentladungen von Horowitz zu gelangen. Doch was schließlich in einer Bearbeitung von Griegs "In der Halle des Bergkönigs" aus "Peer Gynt" im und am Flügel passierte, dürfte selbst einem Horowitz ein neidvolles Lächeln abgerungen haben. 188 Sekunden lang donnert Matsuev nicht nur über eine Accelerando-Marterstrecke. Selbst beim monströsen Super-Fortissimo als Schlusspunkt dieses pianistischen Spektakels hat man das Gefühl, dass das Konditionswunder Denis Matsuev am liebsten noch mal so eine Runde drehen würde.

Guido Fischer, 19.03.2009



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