Erich Leinsdorfs Einspielung von Puccinis "Butterfly" mit Leontyne Price ist eine der schönsten Aufnahmen dieses Werks in der Schallplattengeschichte, vor allem dank der phänomenalen Besetzung der Titelpartie: Wer könnte die Butterfly jemals inbrünstiger, verletzlicher, glühender und verzweifelter darstellen als damals Leontyne Price? Auch Angela Gheorghiu, die Butterfly der vorliegenden Aufnahme, kann dies nicht: Misst man ihre Leistung am Jahrhundertvorbild, dann bleiben einfach zu viele Wünsche offen, was unter anderem an kleinen stimmtechnischen Unvollkommenheiten (leicht verquollene oder verhangene Töne, Intonationsunreinheiten) liegt.
Dafür jedoch, und das ist wiederum der große Vorteil dieser Einspielung, gibt Jonas Kaufmann einen besseren Pinkerton als seinerzeit Richard Tucker unter Leinsdorf: Tucker klingt, obwohl belegtermaßen einer der größten Tenöre seiner Zeit, in dieser Aufnahme häufig eigenartig heiser und angestrengt, während Kaufmann – man staunt immer wieder darüber – nach wie vor mit der vollen Energie und Frische seiner noch jugendlichen Stimme erstaunliche Kraftakte vollbringt, ohne dabei jemals die stimmliche Fassung zu verlieren: Man höre im ersten Akt nur die großen Duettszenen mit Sharpless und Butterfly. Antonio Pappano liefert dazu hochglänzende, tiefenscharfe Opernklangfarbenvielfalt, spart nicht mit schmetterndem Blech und leidenschaftlich aufbrandenden Streicherwogen. Eine Aufnahme also, die bezüglich der Titelpartie durchaus Wünsche offen lässt, gegen dieses nicht zu unterschätzende Manko aber auf anderen Ebenen mit viel Feuer und Pfeffer anstürmt – hörenswert also, wenngleich nicht vollkommen befriedigend.

Michael Wersin, 30.03.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zwei geniale Geiger auf einer CD vereint, die die Welt der Klassik und die des Jazz miteinander verbinden, als wäre es das natürlichste der Welt. Einfach toll! Stéphane Grappelli, der französische Geigenvirtuose, weitgehend Autodidakt, aber übersprudelnd vor musikalischen Ideen traf 1973 erstmals auf den acht Jahre jüngeren Yehudi Menuhin, ehemals Wunderkind und damals längst Geigen-Legende. Grappelli hatte mit dem Quintette du Hot Club de France die Clubs aufgemischt, Menuhin die […] mehr »


Top