Im Händeljahr dreht sich das Neuaufnahmen-Karussel – und auf dem Gebiet der Oper gibt es ja noch so manches abzugrasen: Einige der rund 40 Werke liegen erst in nur einer lieferbaren (historisierenden) Einspielung vor – warum also nicht nochmals zuschlagen? Und so beteiligt sich auch Diego Fasolis, ständiger Leiter der Radio- und TV-Ensembles der italienischen Schweiz, am Händelreigen. Bisher ist er vor allem durch Einspielungen geistlicher Werke bekannt geworden, eine recht beachtliche h-Moll-Messe gehört dazu.
In Sachen Händeloper gelang es ihm, für den "Faramondo", jenes Werk, das Händel 1737 nach seinem gesundheitlichen Zusammenbruch fertigstellte und auf die Bühne brachte, die Sahnetörtchen aus den Reihen der derzeit verfügbaren Alte-Musik-Solisten zu verpflichten: Philippe Jarrousky und Max Emanuel Cencic bilden den Kern der sängerisch exzellenten Crew, hinzu kommen, nicht minder brillant, Sophie Karthäuser und der ebenfalls sahnig-weich timbrierte Ausnahmebassist In-Sung Sim. Außerdem vermag Fasolis sein Orchester I Barocchisti zu einer faszinierend tiefenscharfen, plastischen und differenzierten Klangkultur zu führen. Was kümmert da noch die Handlung der Oper, die quellenmäßig aus dem Dunstkreis der King-Arthur-Sagenwelt stammt? Händelgesang vom Allerfeinsten ist geboten, so wie vermutlich auch einstmals beim Alten persönlich in London, wenn es dem – wie hier nun Fasolis – glückte, die Besten zu engagieren.

Michael Wersin, 11.04.2009



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