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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Niccolò Paganini

Violinkonzerte 1 & 2

Kristóf Baráti, NDR Radiophilharmonie Hannover, Eiji Oue

Berlin Classics/Edel 0016462BC
(66 Min., 9/2008) 1 CD

Früher wäre die bloße Existenz dieser Aufnahmen schon eine kleine Sensation gewesen. Heute allerdings, wo selbst die höchsten Hürden der Instrumentaltechnik von Jungstudenten in ganzen Rudeln genommen werden, gilt es, genau hinzuhören. Und das lohnt im vorliegenden Fall. Der 30-jährige Ungar Kristóf Baráti hängt seine immense Virtuosität nicht an die große Glocke: Man hört diesen beiden Konzerten schlichtweg nicht mehr an, wie schwer sie eigentlich sind. Baráti verzichtet auf das "Aha!" und spielt seinen Paganini, wie er vermutlich auch anderes spielen wird: ohne auf taktweisen Applaus zu spekulieren. Drum steht man – verfolgt man diese lupenreine, unglaublich geschmeidige Einspielung von A bis Z – am Ende vielleicht sogar etwas enttäuscht da, so als habe man gerade einen Krimi gelesen, dessen Happy End schon absehbar war.
Die nach außen gekehrte Selbstherrlichkeit, mit der die Stars früherer Generationen wie beispielsweise der junge Menuhin bei diesen Werken zur Sache gingen, ist Baráti fremd – statt auf den ultimativen Kick setzt er auf schweißfreie Eleganz. Das hat Format: Unbeeindruckt vom schweren Parcours gönnt er seinem Ton feine Modulationen, artikuliert – nicht immer ganz im Einklang mit dem Orchester – sauber und individuell, setzt kleine Zäsuren, wo Zusammenhänge betont sein wollen und verfällt auch in den temporeichen Ecksätzen nirgends in Eile. Den beiden opernhaften Adagios verleiht er dramatische Größe und Weite und erlaubt sich und seinem Publikum dort sogar – Eleganz hin oder her – manchen Moment der Rührung. Wenn er jetzt noch ein wenig stolzer wäre auf das, was er kann, oder bloß etwas instinktiver, dann könnte es Baráti vermutlich mit den wenigen ganz Großen aufnehmen.

Raoul Mörchen, 29.05.2009



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