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Mirages

Alex Sipiagin

Criss Cross Jazz/harmonia mundi Cri 1311
(71 Min., 6/2008) 1 CD

Die Macher des holländischen Criss-Cross-Labels sind mächtig stolz darauf, dass ihre Firma immer wieder mit dem legendären Blue-Note-Label der Sechzigerjahre verglichen wird. In der Tat klingen viele Criss-Cross-Alben als seien sie digitale Ausgaben bisher verschüttet geglaubter Blue-Note-Produktionen. Das vorliegende Album des russischen Trompeters und Wahl-New-Yorker Alex Sipiagin ist ein typisches Beispiel dafür. Das ist höchste Neobop-Handwerkskunst. Star des Quintetts ist der Pianist Mulgrew Miller, der als Young Lion der ersten Stunde die ganze Tradition des modernen Jazzpianos vor allem aus dem Geiste McCoy Tyners vertritt. Eigentlich aber könnte dies auch ein Freddie-Hubbard-Album von damals sein; allerdings wäre dann klar, ob der Tenorsaxofonist nun Wayne Shorter oder Joe Henderson ist.
Somit kommt diesem Album das Verdienst zu, deutlich auf das Dilemma zu verweisen, dass Jazz dieses Idioms heute einerseits eine hoch-codierte Musik ist, er andererseits aber in seinem Selbstverständnis als Improvisationsmusik den Anspruch auf Originalität und Freiheit postuliert – dabei konzedieren distanzierte Beobachter wie etwa Stefano Bollani durchaus, dass es in der Interpretation von E-Musik mehr Freiheit geben kann als in der Reproduktion des Neobop-Idioms. Deswegen braucht man "Mirages" ja nicht gleich zur Hymne der ominösen Jazzpolizei auszurufen; schließlich macht der Trompeter mit seinem Landsmann am Bass und den beiden Amerikanern an Klavier und Schlagzeug eine Musik, die schon seit den klassischen Blue-Note-Tagen das Herz erwärmt.

Thomas Fitterling, 12.06.2009



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