Responsive image

050

The Ploctones

Challenge/SunnyMoon CR 73278
(60 Min., 2007 u. 2008) 1 CD

Man kann schon ein bisschen Angst vor dieser Band bekommen. "Vierköpfiges Monster" nennt der Gitarrist und Anführer Anton Goudsmit seine Ploctones. Goudsmith muss wissen, wovon er spricht. Schließlich wurde er von einem Kritiker des "Guardian" schon mal als "die Art von Musiker" bezeichnet, "bei der man sich fragt, wo der Notausgang ist". Aber auch wenn der CD-Auftakt "Paalangst" so klingt, als hätten Tarantinos Vampir-Mexikaner Tito & Tarantula gemeinsame Sache mit John Zorn gemacht, muss festgestellt werden: Die Ploctones sind gar nicht böse. Ganz im Gegenteil. Das niederländische Quartett, dem neben dem ausgesprochen wandelbaren Goudsmit der Saxofonist Efraim Trujillo, der Bassist Jeroen Vierdag und der Drummer Martijn Vink angehören, zeichnet sich vielmehr durch sein großes, sentimentales Herz aus.
Das CD-Titelstück "050" beispielsweise schämt sich nicht im Geringsten dafür, dass es lange irgendwo zwischen den Beatles und den Dire Straits irrlichtert – bevor es dann ein wenig krachig wird. Überhaupt scheinen sich die Ploctones dabei zu langweilen, nur die bei solchen Besetzungen üblichen Blues-Rock- und Angeber-Bebop-Stücke zu spielen (obwohl es auf "050" mit "Nuggets" und "Paka Marijat" auch die entsprechenden Beispiele dafür gibt). Viel lieber treiben sich die vier Niederländer in ganz anderen Musik-Regionen herum. Mal geht’s vergnügt im Shuffle nach New Orleans (in der Liveaufnahme "The Baron’s"), mal impressionistisch nach Indien ("Karma-tic") – und immer wieder zieht’s die Band in afrokubanische Latin-Gefilde. Das Ergebnis ist ein anregender Abwechslungsreichtum, vor dem man sich wahrlich nicht fürchten braucht.

Josef Engels, 19.06.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zwei geniale Geiger auf einer CD vereint, die die Welt der Klassik und die des Jazz miteinander verbinden, als wäre es das natürlichste der Welt. Einfach toll! Stéphane Grappelli, der französische Geigenvirtuose, weitgehend Autodidakt, aber übersprudelnd vor musikalischen Ideen traf 1973 erstmals auf den acht Jahre jüngeren Yehudi Menuhin, ehemals Wunderkind und damals längst Geigen-Legende. Grappelli hatte mit dem Quintette du Hot Club de France die Clubs aufgemischt, Menuhin die […] mehr »


Top