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Speak Low

Boz Scaggs

Emarcy/Universal 1784345
(52 Min.) 1 CD

Erster Impuls: Och nö. Nicht schon wieder ein alternder Rockstar, der sich wie die Kollegen Brian Ferry, Rod Stewart oder Art Garfunkel schamlos über Klassiker des Great American Songbook hermacht. Dann ein kurzes Aufhorchen und die Feststellung: Boz Scaggs knödelt zwar ein ganz kleines bisschen, aber so, dass es schon wieder charmant ist. Und schließlich die Einsicht: Der Mann macht seine Sache richtig gut. Und das nicht nur im Vergleich mit seinen Kollegen. Bei "Speak Low" handelt es sich um ein mit Sorgfalt gekeltertes Qualitätserzeugnis, das zuverlässig seinen Dienst verrichtet wie ein angenehmer Wein – nicht zu schwer und aufdringlich, bauchig, geschmacklich einwandfrei und ohne schlimme Nebenwirkungen am Morgen danach.
Die Klischees seien ausnahmsweise mal erlaubt, schließlich war Scaggs nach seiner Karriere als Seventies-Popstar unter anderem auch mal Winzer. Vielleicht ist es diesem Umstand zu verdanken, dass man in den Arrangements von Gil Goldstein viel Holz vernehmen kann – vordringlich bei den Bläsern und Mike Mainieris markantem Marimbafon. Auch Streicher spielen dann und wann eine Rolle. Aber sie verpanschen, was eine Leistung ist, nichts. Ohnehin liebt Scaggs die Zurückhaltung. Was vielen der Songs – allen voran "The Ballad of the Sad Young Men" – sehr zugute kommt, weil der Text und nicht die Eitelkeit des Vokalisten im Vordergrund steht. Scaggs kommt erst gar nicht auf die Idee, sich als Jazzsänger zu bezeichnen. Er befindet sich so in bester Gesellschaft. Einige der besten Jazzsänger sollen ja laut Expertenmeinung gar keine Jazzsänger gewesen sein.

Josef Engels, 26.06.2009



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