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Leonard Bernstein

A Celebration Of Leonard Bernstein

Christine Ebersole, Thomas Hampson, Yo-Yo Ma, Dawn Upshaw u.a., San Francisco Symphony Orchestra, Michael Tilson Thomas

Avie/Musikwelt AV 0020-9
(84 Min., 9/2008) 1 DVD

Keiner verkörperte den Glauben an die universelle, Völker verbindende Kraft von Musik so wie Leonard Bernstein. Und dafür schöpfte er seine Batterien bis zum letzten Zigaretten- und Atemzug komplett aus. Als Dirigent, Komponist, Pianist, Pädagoge und Medienstar wurde er zum Paradebeispiel eines selbstverständlichen Wanderers über alle musikalischen Grenzen hinweg – wobei bis heute, auch knapp 20 Jahre nach seinem Tod, zum Glück kein Mittelchen gefunden wurde, der gegen den schnell überspringenden Bernstein-Virus hilft. Erst recht nicht in den USA, wo das Allround-Genie zumindest unter den Musikern allgegenwärtig ist. Denn wie man am 24. September 2008 in der New Yorker Carnegie Hall den 90. Geburtstag von Bernstein feierte, entpuppte sich nicht bloß als eine Gala mit dem üblichen Staraufgebot. Alle Beteiligten, vom Dirigenten Michael Tilson Thomas über die vier Solisten bis selbst zu fünf Studenten aus der örtlichen Juilliard School, ließen keinen Zweifel aufkommen, dass sich Bernsteins musikalisches Denken und Fühlen fest in der eigenen, künstlerischen DNA verankert haben.
Zu einer auf Anhieb zündenden Hommage an den unerschöpflich-schöpferischen und vitalen Geist Bernsteins entwickelte sich so der Abend, an dem man den Musical-, Opern- und Instrumentalkomponisten hochleben ließ. Mit Greatest Hits wie den "Sinfonischen Tänzen aus der West Side Story" und Arien aus "A Quiet Place", aber auch mit einer melosgesättigten Cello-"Meditation" aus seiner "Mass". Mit dem glänzend zupackenden San Francisco Symphony Orchestra an der Seite machten dabei die vier Gäste aus ihrer Verehrung für den Jubilar keinen Hehl: die Broadway-Röhre Christine Ebersole und die facettenreiche Sopransirene Dawn Upshaw, der Kunstgesang-Titan Thomas Hampson und Yo-Yo Ma mal als elegischer, mal cool zupfender Cello-Allrounder. Zwei Überraschungscoups hatte man sich aber für den Schluss aufgehoben. Zunächst boten die Juilliard-Studenten auf vielleicht gerade mal fünf Quadratmetern mit "Gee, Officer Krupke" aus der "West Side Story" eine Tanz- und Vokalshow, gegen die europäische Musicalproduktionen nur laue Kaffeekränzchen sind. Und wenn im Tutti-Finale, beim Latinopfeffer in "Ya Got Me", plötzlich selbst der "Sänger" Michael Tilson Thomas einsteigt, hat das nichts mit zwanghafter Ranschmeißerei ans Publikum zu tun. Hier singt einer einfach toll aus vollem Lennyherzen.

Guido Fischer, 07.08.2009



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