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Amuse-Keule

La KaffeehausAvantgarde

Rent a Dog/AL!VE 2720122
(63 Min.) 1 CD

Aha: Niemand Geringeres als John Coltrane ließ sich vom Zwiefachen, jener Volksmusik aus dem süddeutschen Raum, inspirieren. Es muss während eines Kuba-Urlaubs nach zu heftigem Mochito-Genuss geschehen sein. Geht zumindest aus einem dialektal sehr stark eingefärbten Text hervor, den die Formation La KaffeehausAvantgarde ihrer CD beigegeben hat.
Den Ausführungen ist unbedingt Glauben zu schenken. Denn wer wie La KaffeehausAvantgarde derart unbeirrt bayerisches Sentiment mit Latinpfeffer, Balkanpunk, Berggewitter-Grollen, Jodeln und Schwänke aus dem Buena Vista Social Club zu kreuzen versteht, dem nimmt man alles ab. Zum Beispiel, dass sich im "ChaChaChà Du Louche" eine Salsa-Band mit feurigen Bläsern (alias "Die Bockshörner") in ein Wiener Kaffeehaus verirrt, wo gerade "Tea for Two" gegeben wird. Oder dass es sich bei dem "Marche De L'ambiguïté" ganz klar um die Titelmusik einer bislang unbekannten französischen Bizarrkomödie unter der Regie von Tim Burton handeln muss.
Selbst einen Songtitel wie "Salsa Urquell" verzeiht man der internationalen Musikerschar um den Bassisten und Melodicaspieler Henry Altmann. Aber nur, weil sich in der authentisch lateinamerikanischen Nummer spanische Liedzeilen mit Repliken aus dem Allgäuischen abwechseln, die nahe legen, dass keiner auch nur irgendetwas versteht.
Das Treiben von La KaffeehausAvantgarde kann man ruhigen Gewissens als großen weltmusikalischen Unfug bezeichnen. Der aber – wenn man beispielsweise die Posaunensoli von Christophe Schweizer hört – von einer solchen musikalischen Ernsthaftigkeit ist, dass man sich diesen Spaß auch als bierernster Ethnojünger durchaus mal gönnen kann.

Josef Engels, 07.08.2009



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